Schweizer Schülerinnen und Schüler interessieren sich nicht bloss für Facebook & Co. oder die neusten Party-Fotos. Beim Junior Web Award setzen sie sich mit aktuellen Themen auseinander und stellen mit ihrer Lehrperson eine eigene Website ins Internet. Klimaerwärmung, Sport und Liebe, aber auch Drogenprävention sind nur einige der Themen, mit denen sich Jugendliche um den Award für die besten Websites von Schweizer Schulklassen bewerben.
Für die dritte Runde des Junior Web Award hat SWITCH erstmals über 500 Anmeldungen erhalten. Bis heute haben an die 200 Schulklassen aus der ganzen Schweiz ihr Projekt auf der JuniorWebAward Website registriert. Rund Vierfünftel stammen aus der Deutschschweiz und über 30 Projekte kommen aus der Romandie und dem Tessin.
Internet in der Schule – Schule im Internet
"Das ist die Gelegenheit, Internet im Unterricht einzusetzen", sagt Lehrer Urs Plüss. Er tritt mit seiner Klasse 9b aus dem Rebacker-Schulhaus in Münsingen BE an. Mit dem Projekt "Mensch und Maschine" behandelt er gleich zwei Lehrplanthemen des neunten Schuljahrs: das Nervensystem und die Robotik.
Plüss hat sich für die Web-Applikation "cmsbox" mit einer Designvorlage entschieden, damit er die Webseite nicht selber programmieren muss und mit der Klasse nicht Zeit für gestalterische Fragen verliert. Das System wird von SWITCH gratis zur Verfügung gestellt. "Früher oder später werden die Kinder sowieso mit einem ‘Content Management System’ (kurz: CMS) in Berührung kommen, da ist es durchaus sinnvoll, wenn die Schülerinnen und Schüler lernen, damit zu arbeiten", sagt Plüss.
Während einer Doppelstunde zeigt er der Klasse kurz, wie das CMS funktioniert, dann lässt er sie ins kalte Wasser springen: "Wenn die Schüler einen Computer sehen, wollen sie es gleich selber ausprobieren, die wenigsten lesen die Anleitung." Und es klappt, die Jugendlichen finden sich im System schnell zurecht. Es macht ihnen Spass, die Inhalte selbst ins Internet zu stellen. "Meine Eltern waren sehr positiv überrascht, dass wir in der Schule so etwas gestalten können. Sie sind stolz, dass meine Texte im Internet stehen!" meint eine Schülerin.
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Gemischte Teams arbeiten effizienter
Die Schüler erarbeiten sich in Zweiergruppen jeweils ein Thema – "immer ein Mädchen und ein Junge zusammen, das ist produktiver", weiss Plüss. Die Schüler schätzen die Abwechslung vom normalen Unterricht: "Mir gefällt an diesem Projekt besonders, dass wir eine eigene Webseite machen können und dass es Zeit von der Schule wegnimmt", sagt Oliver und grinst. Er und Aline behandeln zusammen die Sinnesorgane Zunge und Nase – "Geschmackssache" nennen sie ihre Rubrik auf der Webseite.
Im Vornherein hat Lehrer Plüss der Klasse ein paar Tipps gegeben, wie die Webseite benutzerfreundlich gestaltet werden kann. Aline gefällt dies, denn "viele Seiten sind viel zu kompliziert gestaltet" und nun können sie eine einfache Seite machen, die auch Jüngere verstehen. Eine andere Gruppe befasst sich mit dem Thema künstliche Intelligenz. Auf ihrer Seite erfährt man, wo überall Roboter eingesetzt werden und wie die Gruppe ihren eigenen Lego-Roboter gebaut und programmiert hat.
Lernen mit Eigenverantwortung
Die Jugendlichen nutzen das Internet oft zu Hause – neben dem Junior Web Award für die Suche nach Informationen, beispielsweise für einen Vortrag. Oder noch wichtiger, für die Kommunikation mit Freunden im Chat oder über soziale Netzwerk-Plattformen. Das Internet ist für die Schüler und Schülerinnen nichts Neues, denn sie gehören einer Generation an, die mit dem "Netz" ganz selbstverständlich umgeht. So kennen sie auch mögliche Probleme im Internet, etwa die Überflutung mit unnützen Informationen oder die Gefahr von falschen Webseiten.
Damit die Schüler nicht "abhängen", ist jedes Team zugleich Coach einer anderen Gruppe. Auf diese Weise geben sie sich gegenseitig Rückmeldung. Selber betreut Plüss die Gruppen immer wieder in individuellen Kurzbesprechungen. Er ist überzeugt, dass die Schülerinnen und Schüler von solchen Problemlöseprozessen profitieren. Zudem würden noch weitere Fertigkeiten erworben, die über die eigentliche Projektarbeit hinausgehen. So müssen die Schüler die verwendeten Bilder soweit möglich selber herstellen und lernen dabei Bildbearbeitungsprogramme kennen. Die Jugendlichen mögen es, ein selber gewähltes Thema zu bearbeiten und schätzen vor allem das selbständige Arbeiten. Sie haben Spass an der Eigenverantwortung: "Jeder arbeitet an dem, wofür er sich interessiert und begeistern kann – und am Schluss kommt das Wissen auf der Webseite zusammen", sagt Plüss. "Das Produkt verschwindet nicht in der Schublade, sondern wird öffentlich zugänglich."
Einzug ins Finale?
Im April beginnt das öffentliche Voting, bei dem für die verschiedenen Webseiten abgestimmt werden kann. Urs Plüss ist zufrieden mit dem Verlauf des Projekts. Die Jugendlichen der 9b würden den Wettbewerb gerne gewinnen, schliesslich haben sie sich viel Mühe gegeben, das Wissen in eigene Worte zu fassen und die Inhalte verständlich darzustellen. Sie sind stolz auf die Vielseitigkeit ihrer Webseite, in die sie Texte, Bilder und Videos integriert haben. In der Rubrik "Teste dich selbst" können die Besucher ihren Lernerfolg mit Fragen zum Stoff überprüfen. "Ich erwarte, dass viele Kinder oder Jugendliche sich unsere Seite anschauen und auch etwas lernen dabei" meint Simone.
Die öffentliche Abstimmung fürs Finale läuft ab Anfang April unter www.juniorwebaward.ch, wo ebenfalls eine Video-Reportage über die Klasse 9b zu finden ist.
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