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Mit Mama bloggen, mit Papa gamen

Wie vermittelt man Kindern und Eltern den sicheren Umgang mit dem Internet? Ein Kursleiter gibt Auskunft.

Text: Séverine Jagmetti, publiziert am 09.12.2015

SWITCH unterstützt mit einer Weihnachtsspende den Verein zischtig.ch. Dieser vermittelt in Medienkursen für Eltern und Kinder den sicheren Umgang mit digitalen Medien. Der Projektleiter von zischtig.ch Joachim Zahn erklärt im Interview, wieso diese Arbeit wichtig ist.

SWITCH: Joachim Zahn, Kinder und Jugendliche sollten als "Digital Natives" mit den neuen Medien bestens vertraut sein. Was müssen Sie ihnen denn noch beibringen?
Joachim Zahn: Kinder und Jugendliche stehen oft vor denselben Herausforderungen wie Erwachsene: Immer gibt es Neuerungen und eigentlich haben wir keine Ahnung, was im Hintergrund einer App läuft. Kinder haben meist auch keine Geduld, sich genauer zu informieren. Deswegen werden sie auch "Digital Naives" genannt.

Sicherheit kann über die handfeste Befähigung zur Mediennutzung hergestellt werden.

zischtig.ch macht mit altersadäquaten Lektionen die Technik hinter den Anwendungen fassbarer und verständlich. Wir wollen, dass die Kinder verstehen, wo und wie sie konkret für ihre Sicherheit sorgen können. So befassen wir uns auch immer mit sozialen Aspekten. Denn viele Probleme mit Social Media- oder Chatdiensten entstehen, weil es auch bei dieser Form der Kommunikation "mänschelet". Sicherheit im Netz bedingt, dass wir um diese Schwachstellen wissen. Sind diese Aspekte geklärt, können Kinder die Medien offensiver, kreativer und gewinnbringend einsetzen.

Wo setzen Sie Schwerpunkte in der Medienbildung?
Aufklärung und Befähigung der Eltern und Kinder sind zwei von drei aktuellen Schwerpunkten: Die letzten Jahre waren von einem starken Alarmismus in den Medien geprägt: Facebook ist gefährlich! Alles ist schlimm! So erleben wir beispielsweise Jugendliche, die sich nicht trauen, sich bei Twitter zu registrieren. Andere finden die Applikation zu kompliziert. Der dritte Schwerpunkt liegt in der Arbeit mit Eltern und Betreuerinnen von Kindern im Vorschulalter. Immer öfter werden schon kleinen Kindern Tablets und Smartphones überlassen. Hier sind die Bezugspersonen bezüglich Sicherheit und Gesundheit im Zusammenhang mit der Mediennutzung zu schulen.

Wie fit sind die Eltern und Lehrpersonen in Sachen Medienerziehung?
Nach wie vor gibt es viele, die einfach wegschauen. Andere sind dagegen zu restriktiv, und die Kinder entwickeln weniger Medienkompetenz. Dazwischen sind unzählige weitere Positionen anzutreffen. Allgemein fokussieren Eltern viel zu stark darauf, ihre Kinder vor perversen Erwachsenen mit falscher Identität im Internet zu warnen, dem so genannten Cybergrooming. Auch Cybermobbing steht für sie stark im Zentrum. Dass Sicherheit über die handfeste Befähigung zur Mediennutzung hergestellt werden kann, muss noch stärker bekannt gemacht werden. Ausserdem bestehen noch Wissenslücken, wie Medien altersadäquat und kreativ genutzt werden können sowie welche Vorbildfunktion Erwachsene haben.

Eltern und Kinder lernen, was noch in ihrem Smartphone steckt. Und alle kommen ins Gespräch miteinander.

SWITCH hilft mit ihrer Weihnachtsspende mit, den Aufbau von Medienkursen zu realisieren. Wie muss man sich ein solches Angebot vorstellen?
Wir wollen, dass Eltern und Kinder die Kurse gemeinsam besuchen können. Unser Programm ist bunt gemischt: Mutter und Tochter lernen zusammen einen eigenen Blog zu betreiben. Vater und Tochter lernen zusammen einfache Games zu programmieren. Mutter und Sohn lernen, was man mit einem Tablet Kreatives tun könnte. Eltern und Kinder lernen, was noch in ihrem Smartphone steckt. Und alle kommen ins Gespräch miteinander. Sie lernen, sich über digitale Medien zu unterhalten und gemeinsam Neues auszuprobieren. Sie erfahren gemeinsam, wie eine sichere Nutzung von Geräten und Anwendungen aussieht. Die Vermittlung muss verständlich und humorvoll sein. Das Lernen muss Spass machen.

Eine erste Serie von Kursen für Kinder, Jugendliche und Eltern wird im ersten Halbjahr 2016 stattfinden. Bibliotheken, Gemeinschaftszentren, öffentliche Plätze und Schulhäuser sind als Durchführungsorte vorgesehen.

Website von zischtig.ch

Foto: zischtig.ch

Joachim Zahn

Joachim Zahn befasst sich seit 1989 mit digitalen Medien und deren Nutzung im Familienalltag. Er ist ausgebildeter Soziokultureller Animator und hat einen Master of Science in Sozialer Arbeit. Nebst seiner Tätigkeit als Projektleiter bei zischtig.ch unterrichtet er "Medienpädagogik und neue Technologien" an Fachhochschulen und höheren Fachschulen der deutschen Schweiz.

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