Diese Story ist aus der Kategorie Dienstleistungen und dem Dossier Internationale KooperationenVernetzung

Drahtlos durch die Welt

Das akademische Roamingnetzwerk eduroam ist ein Vorzeigebeispiel einer gelungenen, internationalen Kooperation.

Text: Fabian Mauchle, publiziert am 03.10.2016

Der Gastprofessor schaltet sein iPad ein und ist automatisch mit dem WLAN verbunden. Egal, ob er das am Institute of Technology in Jodhpur, Indien, an der Technical University of Mombasa in Kenia, an der Université de Québec à Chicoutimi in Kanada, an der Universität Duisburg-Essen oder an der ETH Zürich tut. Dies kommt dem Umstand entgegen, dass Forschende, Studierende und Lehrende immer häufiger an Partnerinstitutionen im In- und Ausland tätig sind.

Das unkomplizierte Surfen ist möglich dank eduroam, dem akademischen, internationalen Roamingdienst, der ursprünglich mit einer Kooperation einer Handvoll europäischer Universitäten startete. eduroam erfreut sich immer grösserer Beliebtheit. Es ist ein Musterbeispiel einer erfolgreichen, internationalen Zusammenarbeit.

Beeindruckendes Wachstum

SWITCH war als aktives Mitglied beim Aufbau von eduroam involviert. Heute nehmen wir von SWITCH noch die Rolle des Enablers und Koordinators ein. Damals, als das eduroam-Projekt bei TERENA (heute GÉANT) startete, existierte in der Schweiz bereits eine Roaming-Lösung, nämlich SWITCHmobile (heute SWITCHconnect Classic). Trotzdem erklärten sich einige grosse Hochschulen bereit, in einer Testphase mitzuwirken. Und obwohl die Testumgebung problemlos funktionierte, fand eduroam in der Schweiz vorerst keinen grossen Anklang. Dies, weil die bestehende Lösung funktionierte und noch kein starkes Bedürfnis nach internationalem Roaming existierte. Das erklärt auch, weshalb eduroam in der Schweiz eine Zeit lang im Dornröschenschlaf lag.

Anders sah die Situation im übrigen Europa aus: Die meisten Länder verfügten über keine Roaming-Lösung. Somit erwies sich eduroam als ideal und verbreitete sich rasant. Der grosse Erfolg von eduroam in Europa weckte rasch das Interesse anderer akademischer Netzwerkverbunde. Im Laufe der Jahre stiessen zuerst Länder aus dem asiatisch-pazifischen Raum hinzu, unter anderem Australien, China und Japan, später Kanada und die USA. Mittlerweile findet man eduroam auch in Südamerika und vereinzelt in Afrika. Weltweit nehmen mehr als 4000 akademische Institutionen aus über 70 Ländern auf allen Kontinenten an eduroam teil.

Doch auch für die Schweiz wurde die internationale Zusammenarbeit wichtiger, und das Interesse an weltweitem Roaming stieg. Heute bieten über 88% der bei swissuniversities akkreditierten Hochschulen an, und 97% der Studierenden steht es zur Verfügung. Dazu kommen einige nationale wie internationale Forschungsinstitutionen, unter anderem die europäische Organisation für Kernforschung CERN und das Paul Scherrer Institut (PSI), Tendenz steigend.

Messbarer Erfolg

Wie beliebt und erfolgreich eduroam ist, zeigen ein paar jubiläumsreife Zahlen: Seit der Inbetriebnahme der systematischen Login-Messung bei eduroam im Jahr 2008 wurden bis zum 17. Mai 2016 insgesamt eine Milliarde internationaler Authentifizierungen verzeichnet.

Auch die Schweizer Zahlen sind inzwischen eindrücklich angewachsen: Verzeichneten wir im Jahr 2011 insgesamt 2.7 Millionen erfolgreiche eduroam-Logins innerhalb der Schweiz, müssten es dieses Jahr gemäss Hochrechnungen gegen 80 Millionen sein. Schweizer Nutzerinnen und Nutzer loggten sich im ersten Halbjahr 2016 rund 8.7 Millionen Mal im Ausland ein. Von den schweizweit im ersten Halbjahr 2016 erfassten 270'000 Benutzern stammt rund die Hälfte aus dem Ausland. Das bedeutet, dass rund die Hälfte der Schweizer Studierenden eduroam schon ausserhalb ihrer eignen Universität genutzt hat.

Ausserhalb der Universität

Auch akademienahe Institutionen erkennen die Vorteile von eduroam. So bieten einige Bibliotheken und die Universitätsspitäler den Service an. Aber nicht nur dort, wo man naturgemäss viele Studierende und Forschende erwarten kann, findet sich eduroam: Selbst Flughäfen entschliessen sich, den Service anzubieten, zum Beispiel der Flughafen Genf.

Über den Autor
Fabian   Mauchle

Fabian Mauchle

Nach einem Informatikstudium an der Hochschule Rapperswil mit Abschluss als MSc FHO startete Fabian Mauchle 2010 bei SWITCH. Er arbeitet als Network Engineer im Team Global LAN und ist dort unter anderem verantwortlich für eduroam.

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Was ist eduroam?

eduroam (education roaming) ist ein weltweiter Dienst für die sichere Authentisierung im WLAN, welcher für die Forschungs- und Hochschulgemeinschaft entwickelt wurde. Er ermöglicht Forschenden, Studierenden und Mitarbeitenden von Universitäten, wo immer ein eduroam-WLAN verfügbar ist, eine kostenlose und sichere Verbindung ins Internet. Damit fördert eduroam den weltweiten, mobilen Wissenszugang, Umgekehrt erübrigt sich für Institutionen mit eduroam das Einrichten von Gäste-Zugängen oder das Verteilen von Passwörtern.

Das eduroam-Projekt wurde im Jahr 2003 im Rahmen der TERENA "Task Force Mobility" (heute GÉANT TF-MNM) mit der Beteiligung von SWITCH entworfen. Etwa ein Jahr später entstand daraus der produktive Dienst namens eduroam. GÉANT organisiert und koordiniert das Global eduroam Governance Committee (GeGC), welches die technischen und organisatorischen Standards festlegt und die Aufnahme neuer Roaming-Organisationen regelt.

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