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Virtuelle Services mit realen Vorteilen

Drei Hochschulen geben Auskunft, weshalb sie SWITCHengines und SWITCHdrive benutzen.

Text: Jens-Christian Fischer, publiziert am 04.03.2016

Mal schnell 100 virtuelle Server zu starten, um eine komplexe Simulation für eine Stunde laufen zu lassen. Oder Zehntausende Benutzer mehrere Millionen Dateien speichern und austauschen zu lassen. Das sind zwei Beispiele dafür, was mit der virtuellen Infrastruktur von SWITCH möglich ist. Aber sie bietet noch viel mehr Möglichkeiten. SWITCH hat die Dienste SWITCHengines und SWITCHdrive seit einem Jahr im Portfolio, um die Hochschulen in wichtigen Bereichen zu entlasten.

Bei SWITCHdrive handelt es sich um eine Sync- und-Share-Plattform auf Schweizer Servern für die Synchronisierung und das Teilen von Dokumenten. SWITCHengines sind Virtual Machines, die in Rechenzentren von zwei Schweizer Hochschulen gehostet werden und deren Kapazität auf Knopfdruck skaliert. Damit eignet sich SWITCHengines sehr gut für befristete Projekte und Forschungsvorhaben oder Lehre.

Wie nutzen die Kunden von SWITCH diese Dienste? Wir haben drei Hochschulen befragt, weshalb sie die Dienste beziehen und welche Vorteile sie darin sehen. Unter den Befragten befinden sich sowohl Forschende als auch Vertreter von IT-Diensten.

Die Antworten der Hochschulen zeigen: Mit der bisherigen Art der Nutzung sind die Hochschulen noch längst nicht an den Grenzen von SWITCHdrive und SWITCHengines angelangt. Das Potential für weitere, massgeschneiderte Dienstleistungen ist gross.

SWITCHengines, Anthony Boulmier:"SWITCHengines ist äusserst leistungsstark."
SWITCHdrive, Christopher Greiner und Guillaume Lefebvre: "Wir brauchen diesen Dienst nicht bereitzustellen und zu hosten."
SWITCHengines, Martin Sutter: "Gleiche Bedingungen für alle in einer BYOD-Umgebung."

 


 

SWITCHengines

"SWITCHengines ist äusserst leistungsstark."

Anthony Boulmier, Assistent an der Hochschule für Landschaft, Technik und Architektur (HEPIA) in Genf

Wofür setzen Sie SWITCHengines ein?
Anthony Boulmier:
Ich arbeite am iCeBOUND-Projekt, im Rahmen dessen ein Entscheidungshilfesystem entwickelt werden soll, das anhand von 3D-Daten Umweltanalysen von städtischen Gebieten erleichtern soll. Mit diesem System soll in erster Linie die Menge an Sonnenenergie geschätzt werden können, die ein Dach während eines gegebenen Zeitraums erzeugen könnte. Auf 40 Rechnern kann die Rechenzeit mit echten Daten bis zu zwei Stunden betragen. Über eine solche Infrastruktur verfügen wir nicht.

Weshalb lösen Sie diese Aufgabe mit SWITCHengines?
Es liegt beinahe auf der Hand, sich für eine Cloud zu entscheiden, wenn man auf Verlangen eine grosse Anzahl Rechner für Hochleistungsberechnungen zur Verfügung haben möchte.
Wir nutzen verschiedene Infrastrukturen, weil es sehr wichtig ist, die Leistungen und Preise der bedeutendsten in der Schweiz verfügbaren Lösungen sowie der grössten Anbieter von Cloud-Diensten wie Amazon, Microsoft oder Google zu vergleichen. Eines unserer Projektziele besteht darin, die Zeiten für die Ausführung ein und desselben Algorithmus auf verschiedenen Grossinfrastrukturen vergleichen zu können.

Wie genau setzen Sie SWITCHengines ein?
In erster Linie nutzen wir SWITCHengines, um unseren Studierenden die nötigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, damit sie ihre eigene Ausführungsumgebung erstellen können. Ferner bauen wir Cluster, um verteilt auf mehrere Maschinen Anwendungen auszuführen, die eine enorm hohe Rechenleistung erfordern. Zurzeit besitzen wir auf SWITCHengines einen Cluster von 41 Maschinen für die Ausfürung von HPC-Anwendungen sowie eine Maschine für die Steuerung der Berechnungen.

Wie viel Kapazität nutzen Sie heute und wie viel werden Sie in Zukunft voraussichtlich verwenden?
Beim iCeBOUND-Projekt nutzen wir für unseren Rechencluster insgesamt über 400 GB RAM und 80 Prozessoren. Demnächst werden wir im Rahmen desselben Projekts mehrere weitere Leistungsmessungen mit anderen Versuchsparametern durchführen.

Was schätzen Sie an SWITCHengines besonders?
Zwei der vielen Vorteile von SWITCHengines sind der Zugang zur Plattform über SWITCHaai sowie die grosse Flexibilität des Systems.

Planen Sie bereits weitere Projekte auf SWITCHengines?
Im Moment ist nicht vorgesehen, SWITCHengines für weitere Projekte einzusetzen. Diesen Dienst gilt es jedoch für andere Projekte in Betracht zu ziehen.

Gibt es noch etwas Besonderes zu SWITCHengines zu erwähnen?
Insgesamt ist es ein sehr leistungsstarker Dienst. Als wir im Rahmen des iCeBOUND-Projekts Vergleichsmessungen durchführten, stellten wir fest, dass SWITCHengines grundsätzlich mindestens ebenso leistungsstark ist wie Amazon Web Services.


 
SWITCHdrive

"Wir brauchen diesen Dienst nicht bereitzustellen und zu hosten."

Guillaume Lefebvre, Support-Koordinator an der Universität Lausanne (Foto)

Christopher Greiner, Analyst Entwickler an der Universität Lausanne

Können Sie uns das Problem schildern, das Sie dazu bewogen hat, SWITCHdrive zu nutzen?
Guillaume Lefebvre, Christopher Greiner: Wir bieten mit DocUNIL einen Dienst an für die gemeinsame Nutzung von Dateien über Web Distributed Authoring and Versioning und FTP über Microsoft Internet Information Services mit der Möglichkeit, Dateien hochzuladen, herunterzuladen und zu verwalten. Allen unseren aktuell rund 22'000 Benutzern stellen wir automatisch 1 GB Speicherplatz zur Verfügung. Einige Benutzer wandten sich anderen Angeboten wie Dropbox oder Google Drive zu. Dies verstösst jedoch gegen unsere IT-Service-Vorschriften, wonach die Daten zwingend in der Schweiz gespeichert sein müssen. Da wurde uns bewusst, dass DocUNIL nicht länger geeignet ist. Wir beabsichtigen, diesen Dienst per Ende 2016 einzustellen und unseren Benutzern SWITCHdrive zu empfehlen.

Weshalb verwenden Sie nicht die Infrastruktur Ihrer Universität?
Die SWITCHdrive-Oberfläche ist benutzerfreundlich, und der Service bietet 25 GB Speicherplatz. Ausserdem hätten wir vermutlich die gleiche Softwarelösung wie SWITCHdrive (ownCloud) gewählt. Der Datenaustausch wäre grundsätzlich nur unter UNIL-Benutzern möglich gewesen. Auch hätten wir für diesen Dienst eine neue und komplexe Hosting-Infrastruktur bereitstellen müssen.

Wie wird SWITCHdrive eingesetzt?
Es gibt zwei Hauptanwendungsbereiche: Die Synchronisierung des Arbeitscomputers mit dem persönlichen Computer, um überall arbeiten und in kleinen Teams oder losen Gruppen zusammenarbeiten zu können.

Grösseren oder stärker organisierten Teams oder bei erhöhtem Speicherplatzbedarf bieten wir weiterhin die herkömmliche Sharing-Lösung mit netzwerkgestützter Speicherung an.

Welche Kapazitätsgrösse verwenden Sie? Welches sind Ihre Zukunftspläne?
Bis jetzt haben wir rund 850 Konten erstellt. Nach der Ankündigung, dass unser DocUNIL-Dienst eingestellt werden wird, wird die Anzahl SWITCHdrive-Benutzer bestimmt zunehmen.

Gibt es etwas, das Sie an SWITCHdrive besonders gut finden und das Ihrer Meinung nach einen Mehrwert darstellt?
Mit der heutigen Lösung können unsere Benutzer Dateien nicht mit Leuten ausserhalb unserer Universität teilen. Ein echter Vorteil ist ferner, dass sie nun problemlos auf eine frühere Version einer Datei zurückgreifen können. Der gewichtigste Vorteil nicht-technischer Natur ist, dass wir unseren Benutzern einen auf Universitäten ausgerichteten Host-Service in der Schweiz anbieten können. Rechtlich gesehen ist das sehr wichtig für uns. Aus IT-Sicht ist es für uns natürlich ein grosses Plus, dass wir keine Infrastruktur zu unterhalten brauchen.

Möchten Sie noch etwas anderes zu diesem Dienst erwähnen?
Bis jetzt sind wir sehr zufrieden mit dem Dienst. In unserem Helpdesk-Ticketing-System zählen wir lediglich rund 20 Tickets, die SWITCHdrive betreffen. Die grösste Einschränkung besteht sicherlich darin, dass SWITCHdrive nur benutzerorientiert ist und keine Gruppen zulässt. Für Projekte oder Teams bedeutet das, dass eine Person die Team- oder Projektdateien in ihrem eigenen Konto verwalten muss. Wenn dieser "Host" geht, müssen die Dateien auf ein anderes Konto übertragen werden.
Ein Benutzer schlug einen Anwendungsfall vor, den wir in unsere Dokumentation aufgenommen haben: Einsatz von SWITCHdrive für die Speicherung bibliografischer Angaben aus Zotero mit Hilfe des WebDAV-Protokolls.


 

SWITCHengines

"Gleiche Bedingungen für alle in einer BYOD-Umgebung."

Martin Sutter, Departementsleiter Informatik, Fernfachhochschule Schweiz

Welches ist das Problem?
Martin Sutter: Als Fernhochschule verfügen wir über keine PC-Räume für Studierende. Bei uns heisst es "Bring your own device". Der Nachteil ist, dass es bei spezifischen Softwareumgebungen oft schwierig ist, für alle Studierenden die gleichen Bedingungen zu schaffen, zum Beispiel bei Übungen.

Wieso lösen Sie es mit SWITCHengines?
Weil es eine elegante Art ist, schnell und problemlos eine individuelle Betriebssystem- und Entwicklungsumgebung mit zugehörigen Applikationen aufzubauen, die für alle Studierenden identisch ist. Das vereinfacht die praktischen Übungen oder macht sie sogar erst möglich.

Wo und wie wird SWITCHengines eingesetzt?
Beispielsweise im Modul "Installation und Konfiguration von Serverdiensten" (IKS) aus dem Bachelor of Science in Informatik ist SWITCHengines explizit vorgesehen. Nach einer Einführung in dessen Funktionsweise installieren die Studierenden SWITCHengines selber und lernen, darauf Serversysteme zu betreiben, Daten abzusichern und Server zu virtualisieren. Sie vollziehen auch Arbeiten, Zertifizierungen und Prüfungen darauf; unter anderem eine Serverkonfiguration.

Welche Kapazitäten werden benötigt? Wie sind die Pläne für die Zukunft?
Derzeit besuchen jährlich etwa 100 Studierende das Modul IKS, wobei jeder zwei Virtuelle Maschinen erstellen darf. Verschiedene andere Module empfehlen
ausserdem SWITCHengines.

Was gefällt Ihnen speziell an SWITCHengines?
Dass wir damit Gleicheit für alle Studierenden schaffen können und das Einrichten sowie der Betrieb so einfach sind.

Gibt es sonst etwas, dass Sie über den Service sagen möchten?
Ich bin froh, dass es nun neue Bezugsmodelle für unsere Bedürfnisse gibt. Da bei uns SWITCHengines bisher kaum für produktive Systeme eingesetzt wurde, ermöglichen uns diese einen kosteneffizienten Betrieb.

Könnten Sie sich vorstellen, SWITCHengines an ihrer Hochschule auch für andere Aufgaben einzusetzen?
Ja, wir könnten uns gut vorstellen, SWITCHengines in weiteren Modulen nicht nur zu empfehlen, sondern offiziell einzusetzen. Beispielsweise haben Bereiche wie Learning Centers und das Institut für Fernstudien- und E-Learning-Forschung Bedarf an weiteren Instanzen für Forschung und Tests. Auch für die Learningplattform Moodle könnte SWITCHengines von Nutzen sein.

SWITCHdrive
SWITCHengines
Dieser Text ist im SWITCH Journal März 2016 erschienen.
Über den Autor
Jens-Christian   Fischer

Jens-Christian Fischer

Jens-Christian Fischer leitet das Team Infrastructure & Data, das sich um die Entwicklung und Betrieb von SWITCHengines kümmert. Er stiess 2013 zu SWITCH, davor hat er über 15 Jahre lang in verschiedenen Funktionen selbständig und in Startups gearbeitet. Er ist ursprünglich Software Ingenieur und hat einen Master of Science in Information Technology.

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