Diese Story ist aus der Kategorie Dienstleistungen und dem Dossier Infrastrukturservices

Schritt für Schritt zum Langzeitarchiv

Mit SWITCHengines kann die Universitätsbibliothek Bern ein Langzeitarchiv aufbauen. Die Projektleiterin berichtet.

Text: Marion Prudlo, publiziert am 08.02.2016

Dank Digitalisierungsprojekten sind viele Daten für die Öffentlichkeit online zugänglich. Zum Beispiel im DigiBern-Projekt, einem Online-Portal zur Geschichte und Kultur der Stadt und des Kantons Bern. Die Bibliothek der Universität Bern hat diese Plattform aufgebaut. Genau in diesem exemplarischen Fall aber zeigt sich, dass Bibliotheken nach Digitalisierungsprojekten weitere Aufgaben lösen müssen, um die Daten nachhaltig zugänglich zu halten, denn einerseits liegen die Daten dezentral auf unterschiedlichen Speichern, und es gibt davon nur ein einziges, manuelles Backup. Anderseits müsste die Qualität der vorhandenen Daten daraufhin überprüft werden, ob Letztere lesbar und integer sind.

Für langfristige Sicherung und Nutzbarhaltung

Ähnliches gilt für das E-Rara-Projekt: Hierbei handelt es sich um eine Plattform für digitalisierte Drucke aus Schweizer Bibliotheken. In diesem Fall ist die Universitätsbibliothek Bern zur Langzeitarchivierung der Daten verpflichtet, konnte dies aber bisher nicht gewährleisten. Mit dem Ausbau des institutionellen Repositories BORIS für Publikationen der Universität wurde es ausserdem nötig, eine Lösung für die langfristige Sicherung und Nutzbarhaltung dieser Daten zu finden.

Aufgrund dieser Ausgangslage hat die Universitätsbibliothek Bern in ihrer Strategie 2013-2016 erstmals das Thema digitale Langzeitarchivierung als neue Herausforderung aufgegriffen.

Aufbau und Betrieb auslagern?

In der Planungsphase waren verschiedene Optionen zur Umsetzung des digitalen Archivs evaluiert worden, vor allem auch, ob es machbar wäre, den Aufbau und Betrieb des Archivs so weit wie möglich auszulagern. Die Wahl fiel dann auf den sukzessiven Aufbau eines eigenen Archivs. Wegen knapper Ressourcen und weil das notwendige Know-how bibliotheksintern erst nach und nach aufgebaut werden muss, wurde entschieden, dass zunächst in einer dreijährigen Initialphase ein Pilotarchiv installiert wird. Nach einer längeren Phase der Auseinandersetzung mit Lösungsmöglichkeiten und Anforderungen an ein digitales Archiv begann die Universitätsbibliothek 2015 mit der Umsetzung.

Die eingangs genannten Aufgaben der Universitätsbibliothek Bern nach den Digitalisierungsprojekten mündeten in zwei unterschiedliche Aufträge: SWITCH ist damit beauftragt, eine zentrale Plattform für die Speicherung der Daten zu stellen, während die Firma docuteam aus Baden dafür besorgt ist, die Qualität und nachhaltige Zugänglichkeit der Daten zu sichern.

Wichtig: Skalierbarkeit

Aus Sicht der Bibliothek ist eine der wichtigsten Anforderungen an das Archiv, dass es auf Kontinuität ausgerichtet und fest in ihrer Infrastruktur und ihren Dienstleistungen verankert ist. Damit kann Nachhaltigkeit und Zuverlässigkeit garantiert werden. Obwohl zunächst nur ein begrenzter Bestand an Daten archiviert wird, soll das System skalierbar sein und künftig entstehenden Anforderungen wie beispielswiese dem Kuratieren von Forschungsdaten gerecht werden. Ein weiteres Ziel ist, den Forschungsoutput der Universität zu sichern, zu dokumentieren und dessen langfristige Zitierbarkeit und Nutzbarkeit zu gewährleisten.

Das digitale Archiv der Universitätsbibliothek Bern basiert auf dem international anerkannten Referenzmodell «Open Archival Information System» (OAIS, ISO 14721). Der OAIS-Standard zeigt in einem Informationsmodell auf, welche technischen und beschreibenden Metadaten zu digitalen Ressourcen angelegt werden müssen, damit diese langfristig nutzbar gehalten werden können. In einem funktionalen Modell wird festgelegt, welche Aufgaben in einem digitalen Archiv entweder technisch oder organisatorisch abgebildet werden müssen. Das OAIS war eine grosse Hilfe bereits bei der Konzipierung des digitalen Archivs und nun basieren auch die technische Umsetzung und der zukünftige Betrieb darauf.

Risikominimiertes Vorgehen

Das System beruht auf Open Source-Software von der Firma docuteam für die Übernahme und Aufbereitung der Daten und auf der ebenfalls unter einer Open Source-Lizenz stehenden Repository-Software Fedora Commons. Für den Betrieb der notwendigen Server sowie für die Speicherung der Daten wird SWITCHengines genutzt. Dieses neue Infrastruktur-Angebot macht den schrittweisen Aufbau des digitalen Archivs überhaupt erst möglich. Gegenwärtig werden für den Testbetrieb erst geringe Ressourcen genutzt, in den nächsten Monaten kann das Archiv skaliert werden, ohne dass sich die UB Bern um Infrastrukturfragen kümmern muss. Dieses neue flexible Angebot von SWITCH erlaubt auch eine neue risikominimierende Herangehensweise in Informatikprojekten.

Dieser Text ist im SWITCH Journal März 2016 erschienen.
Über den Autor
Marion   Prudlo

Marion Prudlo

1996 schloss Marion Prudlo an der Universität Tübingen einen Magister in Vergleichenden Literaturwissenschaften ab. Im Anschluss daran absolvierte sie einen Masters of Library and Information Science an der University of Pittsburgh und arbeitete bis 2005 als Electronic Resources Librarian in den USA. Seit 2005 leitet sie das Servicezentrum E-Library an der Universitätsbibliothek Bern.

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