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Mister rote Schuhe

Vor knapp zwanzig Jahren war Markus Graf, 55, bekannt als der "Internetfürst von Liechtenstein".

Text: Séverine Jagmetti, publiziert am 11.09.2015

Immer um Viertel nach sechs klingelt mein Wecker. Frühmorgens brauche ich etwas Zeit, um in die Gänge zu kommen. Ich schätze es daher sehr, dass mir meine Frau das Morgenessen zubereitet. Kurz vor sieben Uhr steige ich in meinen Citroën C5. Die Fahrt von meinem Wohnort Arbon im Kanton Thurgau nach Vaduz im Fürstentum Liechtenstein dauert etwa 45 Minuten. Die Verkehrslage auf meinem Arbeitsweg ist glücklicherweise meist günstig. So macht Autofahren Spass, und gedanklich stimme ich mich auf den neuen Arbeitstag ein.

Vielfältige Verantwortungsbereiche

Einen typischen Arbeitstag gibt es bei mir nicht. Ich bin Ansprechperson für unzählige Dinge. Die Zentralen Dienste umfassen den Studienservice, die ZentraleServiceStelle, die Bibliothek, die Informatik-Dienste, den Hausdienst, Internet und Kommunikation und das Studentenwohnheim. Den Bereich Internet und Kommunikation, der sich um Software-Entwicklung, Internet-Services und das Campusnetzwerk kümmert, führe ich direkt. Über alle Bereiche gesehen bin ich für rund 40 Mitarbeitende verantwortlich.

Nach Ankunft im Büro kontrolliere ich die Überwachung aller Netzwerk- und Serversysteme und lese meine E-Mails. Die Bearbeitung der neuen Nachrichten kann zwei bis manchmal acht Stunden in Anspruch nehmen. Zusätzlich bin ich regelmässig in Meetings engagiert. Verteilt über die Woche treffe ich mich mit allen Bereichsleitern der Zentralen Dienste, meinem eigenen Informatik-Team und im Rektorat.

Zusammen mit Arbeitskollegen oder Studierenden spielen wir eine Runde Billard. Das ist eine meiner Leidenschaften.

Je nach Möglichkeit treffe ich um halb zwölf Mitarbeitende aus meinem Team zum Mittagessen in der Cafeteria. Anschliessend pflege ich ein Ritual: Zusammen mit Arbeitskollegen oder Studierenden spielen wir eine Runde Billard. Das ist eine meiner Leidenschaften. Weil ich zu Hause keinen Platz für einen Billardtisch hatte, kaufte ich einen, den ich an der Uni Liechtenstein allen Interessierten zur Mitbenutzung anbiete. Ich baute eine Steuerung, die mittels NFC-Chip die Kugeln und Cues freigibt.

Ein Feuerwehrmann-Job

Meine Leute und ich sind darauf bedacht, das Netzwerk möglichst sauber zu halten. Alle ans Netz angeschlossenen Rechner überprüfen wir regelmässig auf sicherheitsrelevante Schwachstellen. Ab und an kommt es vor, dass wir "verseuchte" Computer von Professoren oder Studierenden untersuchen und "reinigen" müssen. Bei etwas komplexeren Aktionen bin ich voll involviert und suche mit meinen Leuten nach Lösungen. Vielleicht verursacht eine Meldung der Firewall oder des CERT-Teams von SWITCH etwas Hektik und so fühlt man sich manchmal wie ein Feuerwehrmann. Aber genau solche Aufgaben finde ich spannend.

Wir duzen uns alle und auch die meisten Studierenden kennen wir beim Namen. Und sie kennen mich, denn ich bin bekannt dafür, dass ich meistens rote, selten blaue, aber niemals braune oder schwarze Schuhe trage.

Mein Job macht mir Spass. Vor allem gefällt mir, dass ich etwas dazu beitragen kann, die Abläufe an der Uni zu verbessern, um so junge Menschen in ihrer Ausbildung und Entwicklung zu unterstützen und zu fördern. An der Uni Liechtenstein schätze ich besonders den persönlichen Umgang. Wir duzen uns alle und auch die meisten Studierenden kennen wir beim Namen. Und sie kennen mich, denn ich bin bekannt dafür, dass ich meistens rote, selten blaue, aber niemals braune oder schwarze Schuhe trage. Das ist mein Tick. Die Studierenden nennen mich auch "Mister Rote Schuhe".

Langjährige Zusammenarbeit mit SWITCH

Nachdem ich einige Jahre in der Industrieelektronik-Entwicklung und in der Bankeninformatik tätig war, arbeitete ich ab 1997 in Liechtenstein in einem Institut an der Fachhochschule und führte in allen öffentlichen Schulen in Liechtenstein das Internet ein. Man nannte mich damals auch den "Internetfürst von Liechtenstein". Durch den Zusammenschluss aller liechtensteinischen Schulen mittels Glasfasern befasste ich mich immer stärker mit der Entwicklung von Netzwerk- und Internettechnologien. Seit fünf Jahren leite ich nun die Zentralen Dienste. SWITCH hat mich in diesen Jahren begleitet.

Mit vielen Mitarbeitenden von SWITCH pflege ich einen guten Kontakt und schätze die offene und unkomplizierte Zusammenarbeit sehr.

Seit Anfang 2006 ist die damalige Fachhochschule und heutige Uni Liechtenstein ans SWITCHlan angebunden. Thomas Brunner, der ehemalige Geschäftsführer von SWITCH, hat diesen Schritt initiiert und dank den kurzen Entscheidungswegen in Liechtenstein konnte das Netz auch rasch erweitert werden. Wir sind noch heute sehr froh darüber. Mit vielen Mitarbeitenden von SWITCH pflege ich einen guten Kontakt und schätze die offene und unkomplizierte Zusammenarbeit sehr. Ich bin Mitglied von drei Working Groups (WG), die SWITCH leitet: Die Mail-, Network- und Security-WG. Diese Plattformen ermöglichen es mir, ein grosses Beziehungsnetz zu meinen Berufskollegen in der Schweiz aufrechtzuerhalten.

Nach fünf Uhr verlasse ich mein Büro und fahre wieder zurück an den Bodensee. Ich musste lernen, Prioritäten zu setzen und auf meine Work-Life-Balance zu achten. Dies war nicht immer einfach angesichts der Fülle an Arbeit, aber es gelingt mir heute gut. Zuhause geniesse ich die Ruhe; unsere drei Kinder sind schon ausgezogen. In den Sommermonaten halte ich mich gerne in unserem Garten auf und schwimme regelmässig im Swimmingpool, um fit zu bleiben. Dann bereite ich meist das Abendessen für meine Frau und mich zu. Einen Ausgleich zur Arbeit finde ich auch beim Fotografieren, beim Wandern, auf Städtereisen oder beim Herumtollen mit meinem zweieinhalbjährigen Enkelsohn."

Dieser Text ist im SWITCH Journal Oktober 2015 erschienen.
Über den Autor
Séverine   Jagmetti

Séverine Jagmetti

Bevor Séverine Jagmetti 2006 zu SWITCH stiess, arbeitete sie in verschiedenen Unternehmen im Bereich Marketing und Kommunikation. Sie studierte Publizistikwissenschaft an der Universität Zürich und absolvierte später einen Master of Advanced Studies in Corporate Communication Management an der Fachhochschule Nordwestschweiz.

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