Diese Story ist aus der Kategorie Dienstleistungen und dem Dossier Internationale KooperationenProcurement

Ein DACH für das Lizenzwesen

Im Bereich Procurement bringt ein Austausch über die Landesgrenzen enorm viel. Nicht nur in Franken und Rappen.

Text: Immo Noack, publiziert am 06.09.2016

Studierende und Hochschulmitarbeitende müssen zunehmend über Fertigkeiten verfügen, welche nicht direkt im Studienangebot stehen. Beispielsweise wird oft vorausgesetzt, dass sie die neue Version von Office beherrschen oder Kenntnisse in Projektmanagement haben. Zur Aneignung solcher Fähigkeiten bietet die Videoplattform lynda.com eine gute und kostengünstige Lösung. So können die Anwender auch Ort, Zeitpunkt und Frequenz der Schulung selber wählen.

Das Beispiel von lynda.com zeigt, dass ein Austausch über die Landesgrenzen sinnvoll ist. Er fördert das Kennenlernen von Alternativen.

Dank ihrer internationalen Kontakte handelte SWITCHprocure mit lynda.com per 1. März 2016 einen Rahmenvertrag aus. Erste Kontakte mit lynda.com konnte das SWITCH-Team bei einem Treffen der Lizenzverantwortlichen der DACH-Region (Deutschland – Österreich – Schweiz) in Deutschland knüpfen. Mittels einer Umfrage in der Community stellte es anschliessend fest, dass 15 Hochschulen Interesse an den Onlinekursen hatten. Bis heute sind nun 18 dem Rahmenvertrag beigetreten. Dabei sind nun sowohl Neu- als auch bisherige Kunden; Letztere profitieren nun von besseren Konditionen.

Das Beispiel von lynda.com zeigt, dass im Bereich Procurement ein Austausch über die Landesgrenzen hinweg sinnvoll und wichtig ist. Er fördert das Kennenlernen von Alternativen zu Bestehendem oder macht auf allfällige Lücken im Angebot aufmerksam.

Ein Zusammenschluss verleiht den beteiligten Ländern bei den Herstellern mehr Gewicht und Gehör.

Der Nutzen solcher Kooperationen in der DACH-Region geht aber noch weiter, als im geschilderten Fall. Einer der wichtigsten Vorteile ist, dass ein Zusammenschluss den beteiligten Ländern bei den Herstellern mehr Gewicht und Gehör verleiht. Hier profitiert die Schweiz von der Grösse des Nachbars Deutschland, dessen gesamtes Bestellvolumen ein Vielfaches desjenigen der Schweiz oder Österreichs beträgt. Die Schweiz hat ja – in deutschen Massstäben – nur gerade die Grösse eines Bundeslandes. Durch den Austausch mit dem – aus Sicht der Softwarehersteller – viel gewichtigeren Deutschland kommt SWITCHprocure zu wertvollen Kontakten, die sie vorher nicht hatte. Alle drei deutschsprachigen Länder zusammen werden allerdings als nochmals gewichtiger wahrgenommen. Nicht nur wegen des noch grösseren Volumens: Ein Brief mit besorgter Tonalität an einen grossen Software-Hersteller von der vereinten DACH-Region hinterlässt schlicht einen stärkeren Eindruck, als wenn die Schweiz oder gar nur eine Schweizer Universität Unbehagen äussert. Die dreifache Stimme hat Gewicht und erhält Aufmerksamkeit, denn für die grossen Software-Unternehmen zählt weniger das Renommée einer Hochschule, sondern die Volumen hinter einem Vertrag.

Einheitliche Verträge bedeuten grössere Vergleichbarkeit, Transparenz und weniger Aufwand.

Kommt dazu, dass es auch für die Softwarehersteller eine Erleichterung darstellt, wenn eine europäische Region mit derselben Sprache vereint auftritt. Es bedeutet einen kleineren Aufwand bei der Ausarbeitung der Konditionen und Verträge. Einheitliche Verträge und Konditionen bedeuten auf der anderen Seite für die Hochschulen grössere Vergleichbarkeit und Transparenz. Die Verträge werden nämlich immer komplizierter, und Know-how-Träger gibt es hauptsächlich an grösseren Hochschulen. Deswegen ist es sinnvoll, wenn sich diese länderübergreifend austauschen.

Die Kommunikation in der DACH-Region vermittelt Kenntnisse über Trends und Tendenzen in derselben.

Aus Sicht der Softwarehersteller ist es auf jeden Fall eine Erleichterung, wenn sie Regionen zusammenfassen können. Aufgrund des Kostendrucks sind sie nämlich dabei, das Personal auszudünnen. Dieses bekommt immer grössere Gebiete zugeteilt. Natürlich müssen sich die Hochschulen der DACH-Region für eine Zusammenarbeit erst noch finden. So hat sich Deutschland anders organisiert als die Schweiz: In unserem nördlichen Nachbarland verhandelt oft jeweils eine Universität als Stellvertreterin der interessierten Universitäten Deutschlands mit dem Softwarehersteller, während in der Schweiz diese Rolle SWITCH zukommt. Österreich ist nochmals ein anderer Fall: SWITCH hat dem östlichen Nachbarland auf seine Bitte hin erläutert, wie man sich in der Schweiz organisiert hat; Gibt es doch in Österreich erste Pläne, eine ähnliche Organisation wie SWITCHprocure aufzubauen.

SWITCHprocure tauscht auch erste Gedanken zu einer Zusammenarbeit mit SURFmarket aus. Diese Organisation ist bereits seit 1991 mit der ICT-Beschaffung für Schulen in den Niederlanden betraut (siehe auch Auf der Welle reiten). Sie verfügt daher über viele Erfahrungen und Kontakte. Ausserdem hat sie einige Infrastrukturen und Modelle aufgebaut, die für SWITCHprocure interessant sein könnten. SURFmarket war bis zu einem gewissen Grad auch Vorbild bei der Gründung von SWITCHprocure.

Alles in allem zeigt sich, dass die Zusammenarbeit der DACH-Hochschulen lehrreich ist. Die Hochschulen profitieren von vergleichbaren Konditionen und Transparenz, von mehr Gewicht bei den Herstellern, von Hinweisen auf Alternativen und von Kenntnissen über Trends und Tendenzen.

Über den Autor
Immo   Noack

Immo Noack

Seit November 2012 leitet Immo Noack das Procurement-Team von SWITCH. Davor war er unter anderem an der ETH Zürich und beim Projekt Neptun tätig. Ursprünglich hat er Elektroingenieur studiert.

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