Diese Story ist aus der Kategorie Innovation und dem Dossier Identity Management

Schlagkraft für den Forschungsplatz Schweiz

Für Roland Dietlicher ist die akademische Identität Swiss edu-ID ein wichtiger Baustein für den Erfolg seines Programmes P-2.

Text: Anja Eigenmann, publiziert am 28.09.2015

SWITCH: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Ziele des Förderprogrammes P-2 von swissuniversities?
Roland Dietlicher:
Im Zentrum steht die Idee, ein Netz von zentralen, nachhaltigen, national nutzbaren Services im Bereich der digitalen wissenschaftlichen Information aufzubauen. Die verteilten Anstrengungen der verschiedenen Hochschulen sollen zusammengefasst und Dienstleistungen, Informationsangebote und Werkzeuge zugunsten der Forschung aufgebaut werden. Das Bündeln stärkt die Schlagkraft des Forschungsplatzes Schweiz gegenüber der Konkurrenz aus dem Ausland.

Was versteht swissuniversities unter zentralen Services?
Ein gutes Beispiel ist SWITCH. Sie ist es gewohnt, ihre Services allen Hochschulen anzubieten.

Welche Erfolge kann P-2 bis jetzt vorweisen?
Ich halte die vielfältige Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Institutionen, die wir anstossen konnten, für einen Erfolg. So zeigen erste Resultate, dass die Zusammenarbeit der Universitäten auch im Bereich der IT-Dienste und Bibliotheken schweizweit funktioniert und einen nachhaltigen Nutzen für die Forschung bringt.

Für die Authentisierungsprotokolle und Anbindungen ist es einfacher, wenn man mit einer zentralen Identität wie der Swiss edu-ID arbeitet.

Weshalb ist die Swiss edu-ID bzw. ein Identity Management von so grosser Bedeutung für die geplanten nationalen Dienste?
Wenn elektronische Dienste gemeinsam genutzt werden, braucht es eine nationale Autorisierung. SWITCHaai ist eine gute Basis, da man damit Webapplikationen hochschulübergreifend nutzen kann.. Handelt es sich aber beispielsweise um Filesysteme oder Datenbanken, braucht es ein erweitertes System. Für die Authentisierungsprotokolle und Anbindungen ist es einfacher, wenn man mit einer zentralen Identität wie der Swiss edu-ID arbeitet. Dasselbe gilt für die Authentisierung von Gästen ausserhalb der Hochschulen oder bei internationalen Kooperationen.

Welches sind Ihrer Meinung nach die grossen Herausforderungen bei der Schaffung von zentralen Services?
Das sind die föderale Finanzierung und die Haltung der Hochschulen. Unter Letzteren gibt es eine natürliche Konkurrenz. In Bezug auf Basisdienste sollte diese aber hinter den Zielen des Forschungsplatzes Schweiz zurückstehen. Momentan haben viele Hochschulen noch genügend Geld, um Lösungen im Alleingang auf die Beine zu stellen. Deswegen müssen sie von der Idee und vom Nutzen von zentralen Services überzeugt werden.

Aber zentrale Services sind nicht massgeschneidert.
Genau. Man bekommt als Bezüger zunächst nicht das, was man ursprünglich wollte. Aber die Spezialisierung findet heutzutage erst bei der Applikation statt. Entsprechend muss ich weder eigene Server noch eigene Datenbanken kaufen, ich kann Cloud-Angebote verwenden.. Daran muss man sich erst gewöhnen.

Unsere Vision ist, dass Hochschulen die Swiss edu-ID als Teil ihres Identity Managements einsetzen und dass man anschliessend auf einfache Weise die zentralen Services anbinden kann.

Wie schätzen Sie das Potenzial der Swiss edu-ID ein?
Sie hat grosses Potenzial und ist technisch eine gute Lösung. Unsere Vision ist, dass Hochschulen sie als Teil ihres Identity Managements einsetzen und dass man anschliessend auf einfache Weise die zentralen Services anbinden kann.

Welchen Nutzen bringt eine Swiss edu-ID, wo Forschung doch heute international ist?
Forschung ist international, aber die Schweiz bildet einen eigenständigen Rechtsraum. Grundsätzlich muss die Swiss edu-ID mit anderen Systemen verknüpfbar sein und Verbindungen zu verbreiteten Identitäten anbieten, zum Beispiel zu Google oder zur ORCID, der „Open Researcher and Contributor ID“, einer Identität für wissenschaftliche Autoren.

Wir wollen eine Stelle aufbauen, die nationale Dienste koordiniert.

Leidet bei der Zusammenführung von Identitäten nicht die Sicherheit?
Sicherheit ist eine Voraussetzung für Vertrauen. Der Zugriff auf Ressourcen und Systeme hat eine rechtliche Bedeutung. Anbieter und Bezüger müssen sich darauf verlassen können, dass der Identitätsprovider kompetent und integer ist. In digitalen Umgebungen ist zudem jede einzelne Person gefordert, den verantwortungsbewussten Umgang mit ihren verschiedenen Identitäten zu finden.

Wie geht es weiter mit P-2 nach Ende des Programms im Jahr 2016?
Wir beantragen eine Verlängerung bis 2020 mit einem Volumen von 40 Millionen Franken und die Chancen stehen gut, dass der Antrag bewilligt wird. Wir wollen eine Stelle aufbauen, die nationale Dienste koordiniert.

www.swissuniversities.ch/isci/
http://projects.switch.ch/de/eduid/
Dieser Text ist im SWITCH Journal Oktober 2015 erschienen.
Über den Autor
Anja   Eigenmann

Anja Eigenmann

Seit 2012 ist Anja Eigenmann bei SWITCH tätig, heute als Redaktorin für Online- und Printmedien. Sie startete mit einer journalistischen Ausbildung und hat später einen Master of Advanced Studies in Business Communications zugefügt. Unter anderem war sie als Chefredaktorin sowie Beraterin tätig und hat einen Lehrgang in Online-Redaktion geleitet.

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Roland Dietlicher und P-2

P-2 ist das Kürzel des SUK-Programms, das Roland Dietlicher von den Informatikdiensten der ETH Zürich leitet. SUK steht für Schweizerische Universitätskonferenz (seit 1. Januar 2015 die Schweizerische Hochschulkonferenz). Das Programm P-2 trägt den Titel «Wissenschaftliche Information: Zugang, Verarbeitung und Speicherung». Für die Durchführung verantwortlich ist der Verein swissuniversities, der die ehemaligen Rektorenkonferenzen der Universitäten CRUS, der Fachhochschulen KFH und der Pädagogischen Hochschulen COHEP zusammenfasst. Der Bund fördert das Programm P-2 von 2013 bis 2016 mit 45 Millionen Franken; von den geförderten Hochschulen erwartet er Investitionen in der Höhe des eingeschossenen Betrages.

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