"Ein Netz für die Forschung und Forschung fürs Netz"

Drei SWITCH-Urgesteine erinnern sich: Der ehemalige Geschäftsführer Thomas Brunner und Willi Huber, der damalige Leiter Netzwerk, waren über 25 Jahre bis zur Pensionierung bei SWITCH tätig. Felix Kugler vom Netzwerk-Team hat sie im Clouds getroffen.

Text: Felix Kugler, publiziert am 01.10.2019

Felix Kugler: 30 Jahre SWITCHlan, da hat sich schon einiges geändert! Erinnert ihr euch noch, wie der Namen entstand?

Thomas Brunner: Ja, da hatten wir einige lustige Ideen. Technisch betrachtet ist es ja kein Local, sondern ein Wide Area Network. Aber laut ausgesprochen hätte es nach "SWITCH-Wahn" geklungen, das war natürlich keine Option.

Willi Huber: Wir wollten die Netzwerke von Hochschulen über Ethernet Bridges miteinander verbinden, das hat damals niemand so gemacht. Die Idee war, eine Verbindung zwischen Forschern in verschiedenen Hochschulen wie von einem Büro zum anderen zu bauen, also wie in einem LAN. Das hat funktioniert, und damit war dann auch der Name SWITCHlan gesetzt.

T: Das war noch zu Zeiten des staatlichen Monopols über die Telekomdienste. Vor 1998 konnte niemand eigene Kabel unterhalten, die mussten von der PTT gemietet werden. Mit der Liberalisierung anerboten sich bald auch alternative Netzwerkdienste, deren technische Implementierung aber nicht vollends überzeugte.

F: Welches waren denn die entscheidenden Weichenstellungen, die SWITCHlan zum alles umfassenden Netzwerk machten, das es heute ist?

T: Ein wichtiger, obwohl anfangs vom Stiftungsrat sehr umstrittener Schritt, war der Wechsel zum Auf- und Ausbau eines eigenen Glasfasernetzwerks. Zu Beginn betrieb SWITCH das Netz für eine Minderheit von Forschenden an einer Handvoll Standorten. Heute vernetzt die Stiftung alle Hochschulen der Schweiz. Verwaltung, Lehrbetrieb und Forschung sind alle gleichermassen auf das Netz angewiesen. SWITCH erbringt heute einen ganz anderen Dienst.

W: In der Anfangszeit war eine Hochschule manchmal einen halben Tag vom Netz abgeschnitten, das hat niemanden gross gestört. Heute ist ein Unterbruch von 5 Minuten eine Katastrophe. Unser Ziel in den letzten Jahren war immer 5-mal die 9: also 99,999 % Verfügbarkeit über ein Jahr gerechnet. Das haben wir meist erreicht.

F: Da kommen mir Ratten in den Sinn, die vor über zehn Jahren ein Kabel durchnagten und für einen längeren Unterbruch sorgten. Heute wäre das alles kein Problem mehr, weil SWITCHlan sehr redundant geworden ist. Aber eine andere Frage: Warum braucht es überhaupt noch ein nationales Forschungsnetz (NREN)?

T: Ich bin ja immer noch im Strategischen Beirat des Deutschen Forschungsnetzes, dort wird genau diese Diskussion geführt. Rein finanziell bekommen einzelne Hochschulen gute Angebote aus der Privatwirtschaft, aber im Schnitt sind die NREN-Tarife marktkonform und vor allem solidarisch.

Es gibt wie bei uns in der Schweiz die Übereinkunft, dass es standortunabhängige Tarife geben soll. Die Datenübertragung kostet genau gleich viel im Zentrum wie in der Peripherie.

Ausserdem gilt nach wie vor der Grundsatz: ein Netz für die Forschung, aber auch Forschung fürs Netz. Letzteres tritt heute vielleicht mehr in den Hintergrund, weil es mehr theoretische Professuren in der Netzwerkforschung gibt.

F: Nein, das würde ich so nicht sagen. Das NREN ist nach wie vor bedeutend für die Forschung, und zwar interdisziplinär. Zurzeit erweitern wir unser Netzwerk, um auch hochpräzise Frequenz- und Zeitsignale zu übertragen, die beispielsweise Chemiker und Physiker für ihre Forschung benötigen. Mit den Seismologen klären wir ab, wie gut sich unsere Glasfasern als «verteilte Erdbebensensoren» nutzen liessen.

F: Eine letzte Frage: Würdet ihr nochmals den gleichen beruflichen Weg gehen?

T: Aus heutiger Perspektive hätte ich versucht, länger als Physiker und Mathematiker in der Forschung zu bleiben. Aber es war kein schlechter Weg. Ich bin ja indirekt der akademischen Welt treu geblieben und konnte mich immer dafür einsetzen, dass wir mit der Stiftung die Forschung unterstützen können. Für mich war trotz guter Angebote die Privatwirtschaft nie eine Option.

W: Ich würde auch aus heutiger Sicht den gleichen Weg wieder gehen. Die 25 Jahre bei SWITCH waren sehr spannend und abwechslungsreich, auch mich hat die Arbeit im Dienste von Bildung, Forschung und Innovation motiviert. Und ich habe das offene Arbeitsklima sehr geschätzt.

Über den Autor
Felix   Kugler

Felix Kugler

An der ETH Zürich hat Felix Kugler Elektrotechnik studiert. Seit 1992 arbeitet er bei SWITCH. Heute leitet er das Projekt zur Erneuerung der optischen Infrastruktur des SWITCH-Netzwerkes.

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