Und dann war alles virtuell

SWITCH unterstützt die Hochschulcommunity auch im Corona-Ausnahmezustand vollumfänglich: Mit sicherer Basisinfrastruktur, gezielter Beratung, innovativen Lösungen und vernetzten Fach-Communities.

Publiziert am 11.05.2020

Seit der Präsenzunterricht an den Schweizer Hochschulen für dieses Semester eingestellt wurde und der Unterricht nur noch virtuell stattfindet, hat sich einiges radikal geändert, auch für SWITCH. Der unvorhersehbare Digitalisierungsschub der Hochschullehre forderte alle Teams der Stiftung heraus, bestehende Lösungen in kürzester Zeit auf den veränderten Bedarf anzupassen. Davon insbesondere betroffen waren SWITCHlan und SWITCHengines, die SWITCH Collaboration Tools, eduhub und SWITCHprocure, sowie das SWITCH-CERT.

SWITCHlan: sicherer und stabiler Betrieb im Hintergrund

Bei SWITCHlan kam es nie zu Engpässen. Das eigene Netzwerk bedeutet für Hochschulen und Forschungsorganisationen, dass ihre Anliegen auch im Ausnahmezustand oberste Priorität haben.

"Unsere langjährige Architekturphilosophie und Kapazitätsplanung im Netzwerk hat sich ausbezahlt", so Daniel Bertolo, Leiter Netzwerk. "Wir waren in der Lage, innerhalb der ersten Woche des Lockdowns substantielle Ausbauten in Betrieb zu nehmen, um auch noch deutlich grösseren Anstiegen gewachsen zu sein."

Während sehr viele Hochschulangehörige im Homeoffice arbeiten, fliesst der Netzwerkverkehr zwischen dem Homeoffice und den Hochschulen über direkte Verbindungen von SWITCHlan zu kommerziellen Internetprovidern. Dieser sogenannte Peering-Verkehr zwischen SWITCH und anderen Schweizer Providern hat sich verfünffacht von ca. 6-8 Gbit/s auf etwa 30 Gbit/s. Insgesamt erhöhte SWITCH innerhalb weniger Tage die Peering-Kapazitäten von 120 Gbit/s auf insgesamt 240 Gbit/s.

Der Forschungsverkehr ist unverändert hoch geblieben. Diese (Rechen-)Arbeiten werden aber auch im Normalfall in grossen Super-Computing-Zentren abgehandelt. Das heisst, es ist irrelevant, wo die Leute arbeiten.

Ein Spezialfall sind die grossen Universitätsspitäler, von denen fast alle an SWITCHlan angeschlossen sind. Hier bleibt der Verkehr hoch, innerhalb von zwei Wochen wurden vereinzelt auch Kapazitäten ausgebaut.

SWITCHengines: ausgebaute Basisinfrastruktur

Das Datenvolumen auf SWITCHengines ist seit dem Lockdown stark angestiegen, in einem Monat auf 100TB mehr. Dank zukunftsorientierter Planung wurden die Kapazitäten von SWTICHengines bereits im letzten Geschäftsjahr für die stetig wachsende Datenmenge der Hochschulcommunity stark ausgebaut. Die Speicher und Rechenleistung der akademischen Cloud dienen aber auch als Basisinfrastruktur für viele SWITCH Dienstleistungen. Entsprechend schnell und agil können Lösungen wie SWITCH Online Meetings entwickelt werden.

Der virtuelle Lehrbetrieb zwingt viele Hochschulen, auch ihre IT-Infrastruktur neu zu überdenken. Was wollen wir wie in die Cloud schieben? Das Team von SWITCHengines berät intensiv und macht zurzeit viele Abklärungen.

SWITCH Collaboration Tools: Proseminar am Küchentisch

Renato Furter, Team Leader Collaboration, erinnert sich an die ersten Tage anfangs März in denen das Telefon Sturm läutete, weil Hochschulen nach Videokonferenz-Lösungen suchten. SWITCHvideoconf (basierend auf Vidyo) und SWITCHinteract (auf Adobe Connect basierende Konferenzlösung) stiessen bald an ihre Grenzen, da die bestehenden Lizenzen den plötzlichen Bedarf nicht abdecken konnten.

Mit Hochdruck wurden mehr Lizenzen für SWITCHinteract beschafft und SWITCHprocure handelte zeitgleich Abkommen mit kommerziellen Videokonferenz-Anbietern aus. Intern programmierte ein kleines Team innerhalb von 24h Stunden einen Prototypen mit der Open Source Software Jitsi auf SWITCHengines. Daraus wurde innerhalb weniger Tage der Dienst Online Meetings, der kostenfrei genutzt werden kann. Über 20 Institutionen haben inzwischen einen eigenen Server aufsetzen lassen, mit verschlüsselten Daten und Passwort gesichert.

Innerhalb von zwei Wochen konnten die meisten Hochschulen ihren Unterricht virtuell weiterführen, was grosse Auswirkungen auf das Video-Management-System SWITCHcast und SWITCHtube hatte. Mit der Vielzahl neuer Online-Lehrveranstaltungen hat sich die Last auf das Videoportal SWITCHtube sprunghaft vervielfacht. Die Server, welche Videos beim Hochladen encodieren, das heisst die Dateigrösse verkleinern und in ein einheitliches Videoformat umwandeln, liefen unter Hochlast. Deshalb dauerte das Bereitstellen von Videos wesentlich länger als üblich. Seit Ende März werden alle SWITCHtube Videos bei einem externen Unternehmen encodiert und damit läuft wieder alles gewohnt gut.

Auch die anderen SWITCH Collaboration Tools verzeichnen einen sprunghaften Anstieg seit dem Lockdown. So haben sich beispielsweise auf SWITCHfilesender die Datenmenge (von 5 auf 10TB) und die Anzahl User (von 2 auf mehr als 4 Tausend) verdoppelt.

SWITCHprocure: gezielte Beratung und Beschaffung

Auch bei SWITCHprocure sind die Anfragen nach kommerziellen Kollaborations- und Videokonferenzlösungen seit Beginn des Lockdowns stark gestiegen. Tools wie Microsoft Teams, Webex, Zoom und weitere Videokonferenzlösungen kamen über Nacht zum Einsatz. Jetzt, da Homeoffice und virtuelle Lehre im Alltag angekommen sind, kehrt die nötige Ruhe ein, um sich im Detail mit Compliance und Nachhaltigkeit der einzelnen Lösungen auseinander zu setzen. Hierzu steht SWITCHprocure in engem Austausch mit Privatim und bietet Hochschulen Beratung.

Bei den Kollaborationstools konnten weitere Hochschulen von den ausgehandelten, vorteilhaften Rahmenverträgen mit Microsoft, G-Suite, Wooclap und Teamviewer profitieren und sich bei der Lizenzbeschaffung auf die Unterstützung von SWITCHprocure verlassen.

E-Learning Community eduhub: langjährig erprobte Zusammenarbeit

Corona hat die Digitalisierung der Hochschullehre vorangetrieben. Alle Lehrenden sind digital versierter geworden und konnten auf bestehende Lernumgebungen und E-Learning Expertise zurückgreifen. Die Schweizer E-Learning Community eduhub bietet schnelle Antworten auf Fragen, es bestehen Leitfaden und Arbeitsgruppen zu verschiedensten Themen der Hochschullehre online. Die Community ist eng verknüpft und pflegt den offenen Austausch im "eduhub-Spirit".

Prüfungen in Zeiten von Corona sind momentan die grösste Herausforderung für die Lehre. Die eduhub-Special Interest Group (SIG) for e-Asssessment arbeitet deshalb auch gemeinsam mit dem Safe Exam Browser Konsortium an Lösungen für die anstehenden Semester- und Abschlussprüfungen. Die SIG-Experten für virtuelle Prüfungen an Schweizer Hochschulen haben mehrere ausserordentliche Meetings organisiert um sich abzustimmen. Zusätzlich finden zurzeit wöchentliche virtuelle Kaffeepausen für den informellen Austausch statt.

International steht die Schweiz im E-Assessment vergleichsweise gut da, meint Nathalie Roth, eduhub-Koordinatorin bei SWITCH. Bei den europäischen GEANT-Treffen werden wir in der Schweiz um unsere eduhub-Community beneidet, berichtet sie stolz. Der Expertenaustausch der letzten 12 Jahre hat das Thema E-Learning im Hochschulbereich beständig vorangetrieben. Entsprechend konnte schneller und besser auf die Krise reagiert werden.

SWITCH-CERT: Coronasituation eröffnet Missbrauchsszenarien

Die aktuelle Ausnahmesituation wurde von Anfang an für kriminelle Betrugsszenarien ausgenutzt, berichtet Silvio Oertli, SWITCH-CERT. So werden beispielsweise Fakeshops mit Desinfektionsmittel und Masken auf .ch Domains registriert, das hohe Informationsbedürfnis missbraucht, um Cyberangriffe durchzuführen und die Lücken von neuen Kollaborationstools ausgenutzt. SWITCH-CERT steht im ständigen Austausch mit allen Hochschulen, um zeitnah über Änderungen in der Bedrohungslage zu informieren.

Besonders Phishing-Angriffe auf Hochschulen haben zugenommen. Zu Beginn des Shutdowns wurden die Hochschulen bei der Sensibilisierung der Mitarbeitenden für das erhöhte Sicherheitsrisiko mit Security-Awareness-Material in drei Sprachen und aufbereiteten Verhaltensregeln für ein sicheres Homeoffice unterstützt.

Lessons Learnt

In Krisenzeiten zeigt sich wie verlässlich das eigene Netzwerk ist, im menschlichen wie auch technischen Sinne. Der Lockdown macht deutlich, wie wichtig der sichere und stabile Betrieb der IT-Basisinfrastruktur ist und wie schnell eine gute vernetzte Expertencommunity gemeinsame Probleme lösen kann.

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