Von der cleveren Idee zum mutigen Konzept

FUTURE UNIVERSITY Event – Aus Denkmustern ausbrechen, den Austausch pflegen und die digitale Transformation gemeinsam gestalten.

Text: Cornelia Puhze, publiziert am 01.07.2019

Die Digitalisierung verändert unsere Welt grundlegend und erfordert neue Konzepte, auch von der Schweizer Hochschulgemeinschaft. Wie entstehen neue Ideen und wie gelingt es, die digitale Transformation erfolgreich zu gestalten? Wie wird Wissen im 21. Jahrhundert erfolgreich vermittelt und welche Kompetenzen müssen Hochschulen Studierenden mitgeben? Diese und ähnliche Fragen diskutierten Gäste und Referenten am FUTURE UNIVERSITY Inspiration Event am 19. Juni 2019. Unter dem diesjährigen Motto TRANS-FORM-AcTION erhielten die Teilnehmenden Impulse und Inspirationen, wie sich digitaler Wandel orchestrieren lässt, wie neue Ideen entstehen und wie neue Konzepte zum Leben erweckt werden können. Einzelne AcTION-Vorträge veranschaulichten, wie digitale Transformationsprozesse mit Leidenschaft, Mut und Neugier in die Praxis umgesetzt werden können.

Stetigen Wandel orchestrieren und neue Ideen fördern

Zum Auftakt eröffnete Dirigent, Musikproduzent und Coach Christian Gansch mit einem originellen Blick hinter die Kulissen der Orchesterwelt. Am Beispiel eines Symphonieorchesters erläuterte er, wie steter Wandel orchestriert werden kann und wie man Individualisten und Künstler zu einem Ganzen formt, ohne sie in ihren Eigenheiten und Besonderheiten gleich zu schalten.

«Es ist der clevere Fehler im Denken, der uns von der unkreativen Maschine unterscheidet.» 

Dr. Henning Beck

Weiter ging es mit einem wissenschaftlichen Aufruf zu fehlerhaftem, ineffizientem – und genau dadurch höchst innovativem Denken. Dr. Henning Beck, Neurowissenschaftler, Biochemiker und Deutscher Meister im Science Slam überzeugte mit seiner Aussage, «es ist der clevere Fehler im Denken, der uns von der unkreativen Maschine unterscheidet.» Menschen sind zwar nicht so leistungsfähig wie Rechner, aber neue Ideen kann man nicht googeln. Deshalb muss sich auch Forschung und Lehre ändern, weil andere Kompetenzen gefragt sind und wir technologiegestützt anders lernen.

Personalised learning in der Praxis

Das erste Beispiel einer lernzentrierten Hochschule brachte Lucian Cosinschi, Regional Director Europe at Minerva Schools at KGI. Er lieferte Einblicke in seine Institution, die sich als Innovator mit der Zielsetzung versteht, Bildung für unsere von globaler Interaktion und beschleunigtem Wandel geprägten Zeit, relevant zu halten. Mit Tools und dem Wissen des 21. Jahrhunderts will die Hochschule Studierende aus aller Welt begeistern und zu kritischen und sozial verantwortlichen Weltbürgern ausbilden. Das Studium wird an sieben verschiedenen Orten in der Welt durchgeführt und mit der Teilnahme an Praktika ergänzt.

Das finnische Konzept Team Academy hat im Bachelorstudium Business Administration an der Fachhochschule Westschweiz HES-SO eine kleine Revolution ausgelöst: herkömmliche Prüfungen wurden abgeschafft und durch kompetenzbasierte Evaluation ersetzt. Gemäss dem praxisbezogenen Ansatz liess Antoine Perruchoud, Professor und Direktor des Institute Entrepreneurship & Management (IEM), Fachhochschule Westschweiz (HES-SO), drei seiner Team Academy Studierenden ihren individualisierten Lernprozess präsentieren.

Vom ersten Tag ihres Studiums an arbeiten die Studierenden im Dreierteam mit realen Kunden und Umsätzen an echten Projekten. Die sogenannten "Teampreneurs" lernen, verstehen und reflektieren anhand ihres Erfolgs und Scheiterns. Jeder Lernweg ist individuell und von den eigenen Interessen geleitet. Ein digitales Portfolio unterstützt den Lernprozess. 21 verschiedene Kompetenzen der Betriebsökonomie werden während des dreijährigen Studiums erworben, bewiesen und validiert.

Zum Abschluss präsentierte Dr. Andreas Bleuler, Senior Computer Scientist & Industry Advisor am Swiss Data Science Center, ETH Zürich einen etwas anderen Lehransatz für eine Weiterbildung im Bereich Machine Learning. Im neuentwickelten Kurs «Carving Through Data» lernen Teilnehmende nicht anhand von stark kuratierten Datensets im Hörsaal, sondern mit "echten" Daten, die sie selber zuvor auf der Skipiste generiert haben. Dieses Konzept punktet mehrfach: Teilnehmende lernen mit einem intuitiveren Zugang zu den verwendeten Daten, grösserer intrinsischer Motivation sowie einer realistischeren Erfahrung im Umgang mit Datensätzen.

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