Hochschulbildung im digitalen Zeitalter

An den eduhub days 2021 kam die Community virtuell zusammen, um sich Gedanken zu machen, wie man die Zukunft des Lehrens und Lernens im Hochschulbereich gestalten könnte.

Text: Cornelia Puhze, publiziert am 16.02.2021

In den letzten sechs Monaten haben die Schweizer Hochschulen den Einsatz digitaler Lösungen für das Lehren und Lernen in der Hochschulbildung gemeistert. Aber wie sieht es mit dem Lehren und Lernen im Hochschulbereich nach COVID-19 aus? Wie werden wir in fünf, zehn oder gar 20 Jahren lehren? Werden wir hybride Szenarien nutzen, vollständig auf Fernunterricht setzen oder gar keine lehrergeleiteten Formate mehr haben? Müssen wir uns angesichts der radikalen Veränderungen, die wir erleben, noch radikalere Gedanken über die Zukunft machen? Oder in den Worten von Isabelle Chappuis, Executive Director, Futures Lab, HEC Lausanne, UNIL: "How will universities be disrupted? Wie können wir anstossen, dass es eine neue Art und Weise geben muss, die Hochschulen zu betrachten?"

Im wahren"eduhub spirit"wurden diese Fragen in den verschiedenen Formaten von Keynotes, Workshops, Parallelsessions, BarCamp-Sessions und natürlich den Kaffeepausen behandelt.

Von morgen bis in die ferne Zukunft

Gabriele Rizzo, Foresight-Experte und Professor an der Sapienza Universität in Rom, gab viele Denkanstöße mit seiner inspirierenden Keynote «Technology and the human dimension: From tomorrow to the deep future». Er ging darauf ein, was die Zukunft bringen könnte und wie wir diese verschiedenen Sichtweisen auf die Zukunft nutzen könnten, um bessere langfristige strategische Entscheidungen zu treffen. Auch in Bezug auf die Art und Weise, wie wir die Hochschulbildung gestalten könnten.

In seinem angekündigten Buch "HR Futures 2030: a design for future-ready Human Resources", gemeinsam verfasst mit Isabelle Chappuis, werden viele dieser Fragen wie die Hochschule gestaltet werden könnte behandelt. Zu den vielen Konzepten, die in diesem Buch erforscht werden und die Auswirkungen auf die Bildung haben werden, gehört die Eigenschaft der digitalen Technologien, die Realität zu re-ontologisieren. Technologie wird die Bildung, das Lernen und den akademischen Abschluss voneinander entkoppeln. Universitäten werden Diplome umdenken müssen langfristig, und sie eher als einen Pass für die Arbeitswelt entwickeln. Ein solches Beispiel ist der Stanford2025 skill-print, auf dem Rizzo’s neues Konzept der ‘Skillptures’ basiert: «Die räumlich-zeitliche Darstellung von Fähigkeiten und Kompetenzen und deren Wechselwirkungen mit anderen Berufs- und Lebenserfahrungen.»

«Es geht nicht um digitale Skills»

Welche digitalen Fähigkeiten sollen Studierende denn in Zukunft erwerben? «Es geht nicht um digitale Skills, sondern um Kompetenzen im digitalen Zeitalter!» forderte Keynote-Speakerin Sarah Genner. Als Medienwissenschaftlerin, Digitalexpertin und Dozentin forscht sie über die Auswirkungen digitaler Technologien auf Mensch und Gesellschaft, insbesondere in der Arbeitswelt und im Hochschulbereich. Ausgehend von der Frage, welche Art von Fähigkeiten wir als digitale Gesellschaft brauchen, schlug sie vor, dass digitale Fähigkeiten sowohl technologisch als auch sozial sind. Sie hob die Bedeutung der vier C-Fähigkeiten Kreativität, Kommunikation, kritisches Denken und Zusammenarbeit hervor, zusammen mit allen Selbst-Fähigkeiten, wie Selbstführung, Selbstreflexion oder Selbstwirksamkeit. In der Tat sind also viele der Fähigkeiten nicht neu, wir werden sie in Zukunft vielleicht nur anders unterrichten. Oder um mit den Worten von Sarah Genner zu schliessen: «Es gibt keine digitale Bildung, nur Bildung im digitalen Zeitalter.»

 

Sie haben die eduhub days dieses Jahr verpasst?

Auf SWITCHtube können Sie die Aufzeichnungen inklusive der beiden Keynotes anschauen.

Ausserdem hier die lustigsten Memes über den Pandemiealltag in Hochschulen.

 

Über den Autor
Cornelia   Puhze

Cornelia Puhze

Cornelia Puhze ist seit April 2019 als Communications Manager bei SWITCH tätig. Gerüstet mit einem MA in Political Communications, Goldsmiths, lernte sie ihr Handwerk in Privatwirtschaft, öffentlichem Sektor und NGOs in Zürich und London.

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