Den Wandel offensiv angehen

Während mehr als zwanzig Jahren hat Andreas Dudler für SWITCH als Mitglied und Präsident des Stiftungsrates sowie als Geschäftsführer der Stiftung Weichen gestellt und Meilensteine erreicht. Ende Jahr übergibt er sein Amt Tom Kleiber und tritt 2022 in den Ruhestand. Im Interview teilt Andreas Dudler Einsichten und Ausblicke.

Publiziert am 12.11.2020

Andreas, was geht dir durch den Kopf, wenn du auf die letzten zwei Jahrzehnte zurückblickst?

Andreas Dudler: Der permanente Wandel, den die Digitalisierung mit sich bringt. Es ist gewaltig, wie sich die Arbeit in Forschung und Lehre verändert hat und damit die Bedürfnisse der Hochschulen. Heute spüren wir dies natürlich ganz intensiv.

Wie hat es SWITCH geschafft, die Hochschulen bei diesem Wandel zu unterstützen?

AD: Ein Beispiel ist unser Versprechen, ein stabiles, performantes Forschungsnetz zu betreiben. SWITCHlan darf nie ans Limit kommen, unabhängig davon, was die Hochschulen planen. Das gelang, weil ein paar visionäre Ingenieure bei SWITCH vor zwanzig Jahren die Idee hatten, eigene Glasfasern zu kaufen.

Das hatte im Ausschuss des Stiftungsrates ganz heftige Diskussionen zur Folge. Damals hat niemand in Europa so gearbeitet. Das war eine revolutionäre Idee. Letztlich haben wir es gemacht. Seither haben wir bei SWITCHlan nie mehr über Bandbreite geredet. Die ist einfach da. Und zwar zu stabilen Kosten. Dadurch entstand unsere Kernkompetenz im Netzwerkbereich, und das hat auch die Geschichte von SWITCH massiv geprägt.

Alle unsere Kernkompetenzen, auch jene in der Security und im Identitätsmanagement, haben klein angefangen, wurden dann aber mit mutigen Entscheiden weiterentwickelt.

Es ist gewaltig, wie sich die Arbeit in Forschung und Lehre verändert hat und damit die Bedürfnisse der Hochschulen. Heute spüren wir dies natürlich ganz intensiv.

Andreas Dudler, Managing Director, SWITCH
Was hat dir dein Job als Geschäftsführer von SWITCH bedeutet?

AD: Ich empfand es immer als Privileg, im Dienste von Lehre und Forschung zu arbeiten. Bildung, Forschung und Innovation spielen für die Schweizer Volkswirtschaft eine ganz wichtige Rolle. Ich denke, das ist nicht nur für mich als Geschäftsführer eine grosse Motivation, sondern auch für die Mitarbeitenden.

Macht es einen Unterschied, ob man Geschäftsführer einer Stiftung ist oder ein kommerzielles Unternehmen führt?

AD: Teilweise schon. Unsere Destinatäre, also die Hochschulen, haben zwei Rollen: Einerseits beziehen sie unsere Dienstleistungen. Auf der anderen Seite lenken sie strategisch im Stiftungsrat. Wir suchen zusammen mit den Hochschulen den Weg, den wir weitergehen wollen. Nicht nur auf technischer Ebene, sondern eben bis hin zur Governance. Das ist das Spezielle.

Auf welche Entwicklung bist du besonders stolz?

AD: Wir haben uns eine gewisse Freiheit in unserer Weiterentwicklung erarbeitet, weil wir sehr gesund finanziert sind. Das hat zwar einiges an Arbeit gekostet, aber darauf können wir stolz sein. Nicht ich, sondern wir.

Es ist viel einfacher, wenn man eine überzeugende Idee hat und auch über die Mittel verfügt, sie zu verfolgen. Etwa die Idee rund um das Forschungsdaten-Konnektom. Die einen finden diese ganz bodenständig, andere illusorisch, wieder andere visionär. Wir können die Arbeit an Neuem einfach anpacken, ohne jedes Mal die Hochschulen um die Finanzierung der allerersten Schritte zu fragen. Dank dieser Freiheit können wir den Wandel offensiv angehen.

Diese Freiheit kommt jedoch mit einem Preis. Und das ist die grosse Verantwortung, die wir tragen. Dieser müssen wir auch gerecht werden, indem wir mit der Community zusammenarbeiten – nicht nur national.

Ein gutes Gefühl, genau zu diesem Zeitpunkt dein Amt zu übergeben?

Für mich ist es jetzt einfach der richtige Entscheid. Ich arbeite im nächsten Jahr noch 50 Prozent für SWITCH. In dieser Zeit werde ich mein internationales Engagement verstärken. Aber ja, ich habe ein gutes Gefühl mit der Übergabe an Tom Kleiber. SWITCH ist gut positioniert, und ich bin überzeugt, dass Tom in unserer Community sehr schnell Fuss fassen wird. Ich wünsche ihm natürlich viel Freude und Erfolg, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Wir haben uns eine gewisse Freiheit in unserer Weiterentwicklung erarbeitet, weil wir sehr gesund finanziert sind.

Andreas Dudler, Managing Director, SWITCH
Was denkst du, was wirst du im Ruhestand am meisten vermissen?

AD: Die Menschen. Ich bin überzeugt, dass es hauptsächlich die Menschen sein werden. Gut, ich werde andere Freundschaften aufbauen oder mehr pflegen können. Ein langjähriges berufliches Umfeld lässt sich aber nicht so einfach ersetzen.

Hast du schon konkrete Pläne?

AD: Da bin ich im Moment noch ganz offen und mache mir keinen Stress. Ich könnte mir vorstellen, dass ich lokale Aufgaben übernehmen werde, auch gemeinnützige Themen kommen in Frage. Da ist der Bedarf gross. Zudem werden auch die Grosskinder merken, dass ich plötzlich mehr Zeit habe. Und das ist gut so!

Lieber Andreas, wir danken dir herzlich für dieses Gespräch und wünschen dir für deine Zukunft alles Gute und beste Gesundheit.
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