"Beim Unterrichten kann ich enorm viel lernen."

Bruno Wenk (61) findet es grossartig, was er als Dozent an der HTW Chur lernt.

Text: Anja Eigenmann, publiziert am 17.09.2014

"Am liebsten würde ich gegen 8 Uhr morgens aufstehen. Aber das geht leider fast nie. Oft muss ich sehr früh raus, speziell, wenn ich im berufsbegleitenden Studium in Zürich unterrichte. Dann nehme ich den 6-Uhr-Zug. Ich bin hauptamtlicher Dozent an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur und Professor für Multimedia-Kommunikationssysteme. Meist esse ich zum Frühstück etwas Kleines zuhause oder im Zug: Kaffee und ein Gipfeli.

Als ich heute Morgen in die HTW Chur kam, stand als erstes das E-Mail-Lesen und das Planen der Tätigkeiten an. Das dauert etwa eine Stunde. Der Unterricht, die projektbezogenen Sitzungen und Arbeitsgruppen sowie andere anstehende Tätigkeiten bestimmen schliesslich den Tagesablauf. Seit wir mit der Bildung der Fachhochschulen einen vierfachen Leistungsauftrag haben, hat sich unsere Tätigkeit stark verändert. Früher war die Lehre unser Kerngeschäft. Heute gehören ausserdem die Weiterbildung, angewandte Forschung und Entwicklung sowie Dienstleistungen dazu. Die Lehre hat gegenüber den anderen drei Bereichen an Bedeutung verloren – so empfinde ich es jedenfalls. Wir sind nun mehr beschäftigt mit der Akquise von Projekten und Drittmitteln. Um die Drittmittel, welche beispielsweise die Kommission für Technologie und Innovation vergibt, ist ein richtiger Kampf entbrannt – nicht nur unter den Hochschulen sondern auch hochschulintern. Diese Konkurrenzsituation finde ich nicht zielführend. Ich würde die hochschulübergreifende Kooperation bei Themenschwerpunkten bevorzugen.

Für die Praktika im Labor müssen die Studierenden zu uns nach Chur reisen, aber im Unterricht nutzen wir SWITCHinteract für den Distributed Classroom.

In Chur führen wir Studiengänge, die in der Deutschschweiz einmalig sind, zum Beispiel Multimedia Production oder Informationswissenschaft. Im Bereich Technik haben wir mit der interstaatlichen Hochschule für Technik NTB in Buchs/SG eine Kooperation beim Studiengang Systemtechnik. Durchgeführt wird er in Buchs, Chur und St. Gallen. So etwas finde ich zukunftsorientiert. Für die Praktika im Labor müssen die Studierenden zu uns nach Chur reisen, aber im Unterricht nutzen wir SWITCHinteract für den Distributed Classroom. Das bedeutet, es findet zwar Präsenzunterricht statt, aber einige Studierende nehmen übers Internet teil. Für die Lehrkraft heisst das mehr Arbeit. Und während des Unterrichts muss die Lehrkraft auch die Technik betreuen. Die Studierenden sind aber begeistert, weil sie weniger reisen müssen. Und trotzdem können sie sich einschalten, wenn sie etwas nicht verstanden haben.

Was ich bei meiner Tätigkeit lernen kann, ist enorm: Oft erfasse ich die Dinge erst bei der Vorbereitung richtig. Und die Studierenden bringen Sichtweisen ein, auf die ich nicht käme.

Für die Zusammenarbeit in Projekten ist die SWITCHtoolbox zu einem sehr wichtigen Werkzeug für mich geworden.

Bei einer Fachhochschule ist vorgesehen, dass die Lehrkräfte via Projekte up to date bleiben. Lukas Toggenburger, einer unserer wissenschaftlichen Mitarbeiter, beschäftigt sich derzeit mit einer Technologie namens WebRTC, wobei die Abkürzung " Real-Time Communication " bedeutet. Damit möchten wir ein Drittmittelprojekt "ergattern", also eines im Bereich Forschung.

Für die Zusammenarbeit in Projekten ist die SWITCHtoolbox zu einem sehr wichtigen Werkzeug für mich geworden. Sie ist auch das Mittel der Wahl, wenn man mit Personen zusammenarbeitet, die keinen AAI-Account haben. Zu Anfang fehlte mir ein Kanal zur Kommunikation mit den Projektmitgliedern. Aber jetzt ist das Diskussionstool "Discourse" integriert, darin kann man Kategorien und Diskussionsstränge bilden. Das ist ganz wichtig in Projekten.

Am Mittag esse ich oft in der Mensa und tausche mich mit Kolleginnen und Kollegen aus. Fast zu oft arbeite ich aber im Büro und esse ein Sandwich. Habe ich in Zürich unterrichtet, gehe ich danach direkt nach Hause, esse mit meiner Frau und tausche mich mit ihr aus. Danach muss ich mich oft noch hinsetzen und Dinge erledigen. Lässt der Aufgabenplan es zu, schauen wir gerne Filme, dafür fahren wir sogar manchmal nach St. Gallen. Dort gibt es in der Lokremise ein gutes Kino mit einem speziellen Programm. Mir gefallen ältere Streifen, zum Beispiel Wachtmeister Studer. Ansonsten gehen wir auch gerne velofahren oder paddeln mit unseren Wanderkajaks auf Seen. Vor dem Zubettgehen lese ich oft: Andrea Camilleri und Siegfried Lenz gefallen mir. Gegen zehn, elf ist Lichterlöschen. Nach Möglichkeit."

Dieser Text ist im SWITCH Journal Oktober 2014 erschienen.

Austauschplattform für Arbeitsgruppen

Die SWITCHtoolbox ermöglicht die einfache Online-Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinweg. Wer eine Toolboxgruppe gründen möchte, benötigt ein AAI-Login. Danach kann man sowohl Personen mit AAI-Login als auch Externe zur Gruppe einladen. Jede Gruppe kann aus einem Pool die benötigten Werkzeuge auswählen: Dateiablage, Wiki, Diskussionsforum, Mailingliste etc.
https://toolbox.switch.ch/

Weitere Beiträge