Internationale Zusammenarbeit für Bibliotheken

Bibliotheken, Informatik und Forschung arbeiten immer enger zusammen. Daten werden zum wertvollen Gut. Ihre Nutzung und Speicherung stellen Herausforderungen dar, denen nur mit internationaler Zusammenarbeit begegnet werden kann.

Text: Jeannette Frey, publiziert am 13.06.2019

Auch wenn einige Bibliotheken dies vorgeben, so kann doch keine Bibliothek alle weltweit veröffentlichten Werke besitzen. Deshalb arbeiten die Bibliotheken seit Langem international zusammen. So war mein Vorvorgänger einer der Initiatoren und Gründungsmitglieder von LIBER, der Ligue des Bibliothèques Européennes de Recherche.

Bibliotheken als Vorreiter

Die Bibliotheken nahmen in Sachen Vernetzung ab Anfang der 1980er-Jahre eine Vorreiterrolle ein. Mit dem Aufkommen des Internets in den 1990ern, um den Austausch wissenschaftlicher Daten zu ermöglichen, wurden die Bibliotheken zur Speerspitze der vierten industriellen Revolution. Daher mussten sich die Bibliotheken den durch diese Revolution hervorgerufenen wirtschaftlichen Entwicklungen, etwa dem Kapitalismus der Plattformen, schneller als andere Bereiche stellen. So arbeiten wir seit Beginn des 21. Jahrhunderts daran, das Geschäftsmodell für wissenschaftliche Publikationen in ein Open-Access-System zu überführen. Alle grossen wissenschaftlichen Bibliotheken der Schweiz stehen nicht nur Forschenden, sondern allen Interessierten offen.

Internationale Zusammenarbeit

Die internationale Zusammenarbeit ist für uns von grundlegender Bedeutung, da die Forschenden sehr mobil sind und bei unterschiedlichen Verlagen weltweit veröffentlichen. Die Schweizer Bibliotheken müssen deshalb Hand in Hand mit den europäischen Bibliotheken voranschreiten, wenn es um so komplexe Fragen wie die Errichtung der technischen Infrastruktur für die Open-Access-Publikationen, die Erarbeitung neuer Standards für Metadaten und Protokolle für den Austausch von Primärdaten und elektronische Veröffentlichungen oder auch die Reform des Urheberrechts geht. Im Rahmen der LIBER-Strategie sind verschiedene Arbeitsgruppen damit beschäftigt, Lösungswege für entsprechende Standards auszuarbeiten, um Datenaustausch und Text- und Data-Mining auf globalerer Ebene zu ermöglichen. Die Resultate lassen sich dann wiederum von den Schweizer Forschungsbibliotheken nutzen.

Vernetzt mit Europa

All diese Themen sind auch für die Zukunft von SWITCH zentral. Was bei LIBER erarbeitet wird, steht natürlich auch bei SWITCH auf der Tagesordnung.

Dies lässt sich am Beispiel von zentralisierten Zugriffslösungen verdeutlichen. Im internationalen Umfeld gehörten die Bibliotheken zu den treibenden Kräften für eine zentralisierte Zugriffslösung nach dem Modell von SWITCHaai. Um die internen Verwaltungsprozesse zu vereinfachen, testet die BCU Lausanne derzeit die SWITCH edu-ID, eine Weiterentwicklung der SWITCHaai, als einheitliche Login-Lösung, die allenfalls in die SLSP-Plattform (Swiss Library Service Platform) integriert werden könnte. Dies würde auch externe Prozesse zwischen den Schweizer Bibliotheken vereinfachen.

Die entsprechende Vernetzung wird von zwei Seiten begünstigt: Während Europa neue Infrastrukturelemente wie die European Open Science Cloud (EOSC) schafft, sichert SWITCH der Schweizer Hochschullandschaft die Anbindung an die europäischen Systeme zu.

Gemeinsam innovativer

Solche Kooperationen sind heute umso wichtiger, als Primärdaten und wissenschaftliche Publikationen nicht mehr nur von Menschen gelesen werden, sondern auch von Maschinen. Die Sammlungen schaffen Big-Data-Pools, die die Forschenden nutzen können, sofern die Daten im grossen Stil zugänglich gemacht werden. Dies schafft ein riesiges Innovationspotenzial, das sich aber nur nutzen lässt, wenn wir Hand in Hand mit den entsprechenden Stellen in Europa und weltweit zusammenarbeiten.

Mehrwert für die Universitäten

Die aus der internationalen Zusammenarbeit hervorgegangenen Ergebnisse können auch SWITCH, den Universitäten und Hochschulen als Diskussionsbasis oder zur Erarbeitung eigener Strategien dienen. SWITCH ist mit seiner langjährigen Tradition der Zusammenarbeit perfekt für den sich daraus ergebenden persönlichen Austausch und Wissenstransfer gerüstet.

Über LIBER

LIBER, Ligue des Bibliothèques Européennes de Recherche, (engl. Association of European Research Libraries) ist ein Zusammenschluss europäischer Forschungsbibliotheken. LIBER versteht sich als ein Netzwerk, welches die Interessen der europäischen Forschungsbibliotheken repräsentiert, indem es effiziente Informationsdienstleistungen, den Zugang zu Forschungsergebnissen und die Bewahrung des kulturellen Erbes fördert. Derzeit besteht diese Vereinigung aus über 400 Mitgliedern, vorwiegend aus europäischen National- und Universitätsbibliotheken.

https://libereurope.eu/

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