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E-Portfolios erobern die Schweizer Hochschulen

Mitte November traf sich die Special Interest Group (SIG) "e-Portfolio" in Bern. Im Fokus des "National event e-Portfolio 2017" standen pädagogische, rechtliche und technische Fragen. Deren Klärung dient dem Ziel, E-Portfolios in der Schweizer Hochschulwelt tiefer zu verankern.

Text: Nathalie Roth, publiziert am 21.11.2017

Der Einsatz von E-Portfolios in der Hochschullehre kommt ursprünglich aus dem angelsächsischen Raum. Doch seit ein paar Jahren halten die digitalen Sammelmappen auch Einzug in die Schweizer Hochschulwelt. Dies nicht zuletzt dank der Arbeit einer Gruppe von E-Portfolio Experten verschiedener Schweizer Hochschulen, der SIG "e-Portfolio", die Teil der Schweizer E-Learning Community eduhub ist. Diese Experten-Gruppe verfolgt seit einigen Jahren unermüdlich das Ziel, E-Portfolios in der Schweizer Hochschullandschaft zu verbreiten. Aus diesem Grund fand sich die Gruppe bereits zum sechsten Mal zusammen, um Erfahrungen, Know-how und Best Practices auszutauschen.

Das jährlich stattfindende Treffen an der Universität Bern wird jeweils von der SIG "e-Portfolio" und SWITCH organisiert. SWITCH hilft also als Organisatorin mit, die richtigen Leute zusammenzubringen und bietet ihnen verschiedene Austauschplattformen. Davon profitiert nicht nur die gesamte E-Portfolio-Community, sondern auch SWITCH selbst, die sich als Teil dieser Community versteht und ihre Dienste, wie beispielsweise SWITCHportfolio, in enger Zusammenarbeit mit den Schweizer Hochschulen entwickeln kann.

Eine digitale Sammelmappe fürs Leben

Der Einsatz von E-Portfolios ist äusserst vielseitig. Sie können von Studierenden einerseits als Lerntagebücher verwendet werden, um das im Unterricht Gelernte zu reflektieren, zu vertiefen, Gruppenarbeiten zu verfassen und Lernfortschritte beispielsweise in Blogs darzustellen. Andererseits können E-Portfolios auch direkt als Karrierewerkzeug verwendet werden – als Bewerbungsmappe bei potentiellen Arbeitgebern, mit Lebenslauf, Zeugniskopien, Leistungsnachweisen und Arbeitsproben.

Was auf den ersten Blick als zusätzlicher Aufwand anmutet, erweist sich auf den zweiten Blick als klarer Vorteil. Studierende, die regelmässig mit E-Portfolios arbeiten, berichten, dass sie das Gelernte dank der Arbeit mit E-Portfolios besser vertiefen und somit länger abrufen können. Der Lernprozess wird durch die Arbeit mit E-Portfolios deutlich nachhaltiger. Zudem kann er sichtbar gemacht werden.

E-Portfolios werden von Studierenden langfristig verwendet, im Sinne des lebenslangen Lernens.

E-Portfolios fördern auch kollaboratives Arbeiten. Studierende lernen in Gruppen zu arbeiten, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und sich gegenseitig konstruktives Feedback zu geben – eine Reihe von Softskills, die für das spätere Arbeitsleben unabdingbar sind. Zudem trägt die Arbeit mit E-Portfolios zur Verbesserung der digitalen Kompetenzen der Studierenden bei. Studierende, die regelmässig mit E-Portfolios arbeiten, lernen ausserdem, ihr eigenes Lernen zu planen und Lernstrategien zu entwickeln.

E-Portfolios werden von Studierenden langfristig verwendet, im Sinne des lebenslangen Lernens. Demzufolge gehören E-Portfolios auch den Studierenden, sie sind deren Eigentum und somit privat. Die Studierenden können selber entscheiden, welche Teile ihres E-Portfolios sie für ihre Kollegen, Dozierenden oder potentiellen Arbeitgeber sichtbar machen. Sie behalten ihr E-Portfolio und pflegen es auch nach dem Studium weiter, indem sie beispielsweise Weiterbildungen aufführen, digitale Zertifikate (z.B. von MOOCs) einbinden und Zeugniskopien auflisten.

Viele Fragen und neue Lösungsansätze

Das Hauptaugenmerk des diesjährigen "National Event E-Portfolio" lag sehr stark auf der Frage, wie ein E-Portfolio, das zuvor als Lerntagebuch während des Studiums eingesetzt wurde, in ein vorteilhaftes Karrieretool verwandelt werden kann. In verschiedenen Präsentationen, Workshops und Roundtables leuchtete die SIG dieses Thema aus. Um dies zu erreichen, müssen die Benutzerfreundlichkeit von E-Portfolios erhöht und der lebenslange Zugriff mittels SWITCH edu-ID gewährleistet werden. Studierende, die ihr Studium abschliessen oder die Hochschule wechseln, können von SWITCH heute ihr E-Portfolio von ihrer institutionellen E-Mail Adresse manuell auf ihre SWITCH edu-ID transferieren lassen. In einem Jahr dürfte dieser Schritt automatisiert sein und von den Studierenden selbst mit einem einzigen Klick ausgeführt werden können.

Keynote Speaker Dominique-Alain Jan von Open University betonte, dass die Nutzung von E-Portfolios an den Hochschulen fest im Studienplan verankert sein muss, damit E-Portfolios von den Studierenden genutzt werden. Zudem sollten Studierende ihr E-Portfolio einfach von einer Studienrichtung auf eine andere transferieren können. Studierende sollten ihr E-Portfolio durch das gesamte Studium hindurch, also vom Bachelor, über den Master bis hin zur Doktorarbeit durchwegs nutzen können und auch nach Abschluss ihres Studiums noch darauf zugreifen können. Wichtig sei zudem regelmässiges Feedback zu den E-Portfolio-Arbeiten der Studierenden durch Dozierende oder Kommilitonen. Studierende sind viel motivierter, mit E-Portfolios zu arbeiten, wenn sie dafür regelmässiges Feedback erhalten. Zudem darf nicht vergessen werden, dass E-Portfolios in erster Linie den Studierenden dienen und deren Lernprozess unterstützen sollen. Der Fokus sollte dabei auf dem Prozess der E-Portfolio-Arbeit und nicht auf dem Endresultat liegen.

Die Nutzung von E-Portfolios an den Hochschulen sollte fest im Studienplan verankert sein, damit E-Portfolios von den Studierenden genutzt werden. Zudem sollten Studierende ihr E-Portfolio einfach von einer Studienrichtung auf eine andere transferieren können.

Im Brennpunkt des Events stand auch die Frage, wie die Akzeptanz von E-Portfolios in der Hochschullehre allgemein gesteigert werden kann. Wie können Dozierende und Studierende motiviert werden, E-Portfolios zu nutzen? Denn ganz so einfach ist die Arbeit mit E-Portfolios am Anfang nicht. Wie jedes neue E-Learning Tool haben auch E-Portfolios ihre Tücken und bieten jede Menge Herausforderungen für neue Anwender. Nicht nur technische, sondern auch rechtliche und andere Fragen müssen geklärt werden. Hier einige Beispiele:

  • Was geschieht mit den E-Portfolios, wenn die Studierenden die Hochschule wechseln oder ihr Studium abschliessen?
  • Wo liegen die Daten?
  • Was ist mit dem Speicherplatz?
  • Wie gestalte ich den Unterricht mit E-Portfolios pädagogischer interessant?
  • Welche Arbeitsmethoden haben sich bisher bewährt, welche nicht?
  • Wie können Leistungen von Studierenden in E-Portfolios erfasst werden?

In der gemeinsamen Auseinandersetzung mit den Fragen erarbeiteten die Teilnehmenden neue Lösungsansätze, um die Herausforderungen, welche die Digitalisierung im Hochschulunterricht mit sich bringt, gemeinsam zu meistern. Um E-Portfolios erfolgreich in die Hochschullehre einzubinden, ist es wichtig, dass das Hochschulmanagement, aber auch die Dozierenden im Umgang mit E-Portfolios geschult werden, so dass sie deren Funktionsweise verstehen. Denn erst wer wirklich verstanden hat, wie E-Portfolios funktionieren, kann deren Vorteile im Hochschulunterricht auch besser einschätzen.

Über den Autor
Nathalie   Roth

Nathalie Roth

Die gelernte Übersetzerin und Dolmetscherin arbeitet seit 2009 bei SWITCH. Sie betreut die Schweizer E-Learning Community eduhub. Zuvor war Nathalie Roth als E-Learning Autorin bei einer Schweizer IT-Firma tätig.

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SWITCHportfolio

Das E-Portfolio von SWITCH basiert auf dem Open-Source-Projekt Mahara und hat gegenüber herkömmlichen elektronischen Sammelmappen einige Vorteile aufzuweisen:

  • Sicherer Zugriff via AAI bzw. SWITCH edu-ID
  • Weiterbenutzung auch nach Abgang von der Hochschule möglich
  • Intuitive Benutzerführung
  • Umfassende Gestaltungsmöglichkeiten
  • Datenspeicherung in der Schweiz
  • Garantierter Datenschutz

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