Identitätsmanagement der nächsten Stufe

Welche Zielsetzungen verfolgt eine Universität mit der Einführung der SWITCH edu-ID? Alexandre Gachet, IT-Verantwortlicher der Universität Freiburg und Dominik Hof, Leiter der Corporate IT der Fachhochschule Nordwestschweiz, erläutern im Gespräch, dass übergeordnete strategische Ziele der Organisation im Fokus stehen. Dabei wird auch klar, dass die SWITCH edu-ID nicht als reines IT-Projekt, sondern als Beitrag zur Weiterentwicklung ihrer Organisation zu verstehen ist.

Publiziert am 02.10.2018

SWITCH: Was sind die Eckwerte der Strategie Ihrer Hochschule?

Alexandre Gachet: Die Universität Freiburg möchte ihre Stellung als national und international bedeutende Hochschule und als anerkanntes Exzellenzzentrum behaupten und festigen. Das bedeutet, dass die Alma Mater Friburgensis mit einem breiten Angebot und zahlreichen Aktivitäten in Lehre und Forschung ihren Status als Volluniversität behalten möchte. Um dieses Ziel zu erreichen, muss sich die Hochschule in Lehre und Forschung ein klareres Profil geben, um die nachhaltige Weiterentwicklung der Einrichtung aus wissenschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Sicht zu gewährleisten.

Dominik Hof: Ihren vierfachen Leistungsauftrag – Ausbildung, Weiterbildung, anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung sowie Dienstleistungen zugunsten Dritter – erfüllt die FHNW qualitätsbewusst und zukunftsgerichtet. Ein zentrales Anliegen ist der Arbeitsmarkterfolg der Absolventinnen und Absolventen. Die FHNW behält daher in der Lehre und Forschung stets auch den gesellschaftlichen Kontext im Blick. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der interdisziplinären Bearbeitung grosser gesellschaftlicher Themen und Herausforderungen, wie der Alterung der Gesellschaft, der Energiewende und den Folgen des digitalen Wandels.

Das Projekt "Hochschullehre 2025" startet ab Herbst 2018 mit der Aufgabe, die Lehre in den kommenden Jahren konzeptionell auf diese neuen Herausforderungen auszurichten und dabei auch insbesondere die digitale Transformation aktiv anzugehen.

Durch welche IT-Massnahmen wird diese strategische Ausrichtung unterstützt?

Alexandre Gachet: Die traditionsreiche Universität Freiburg mit ihrer bald 130-jährigen Geschichte will mit ihrem IT-System und ihrer IT-Infrastruktur ihre technologische Führungsrolle verteidigen. Die IT-Strategie der Universität stützt dabei die allgemeine strategische Entwicklung der Hochschule. Die IT-Strategie basiert auf sieben Initiativen, namentlich aus den Bereichen IT-Governance, IT-Infrastruktur, Wirtschaftsinformatik, Wissenschaftsinformatik, digitale Bildung, Business Intelligence und IT-Sicherheit.

Bei der Umgestaltung des IT-Systems Campus Management handelt es sich um das wichtigste IT-Programm der letzten Jahre und die tragende Säule der digitalen Strategie der Universität. Das Programm soll den Mitgliedern der Universitätsgemeinschaft ein umfassendes, personalisiertes digitales Erlebnis ermöglichen, das den gesetzlichen Anforderungen und Datenschutzvorschriften entspricht.

Dominik Hof: Im heutigen Umfeld benötigen nahezu alle Abteilungen IT-Kompetenzen als eigentliche Kernkompetenzen, und diese werden nach wie vor dezentral aus diesen Abteilungen heraus erbracht. Die zentrale Corporate IT konzentriert sich auf jene Services, die über alle Abteilungen hinweg nachgefragt werden und erbringt diese vereinbarten Leistungen als exklusiver Dienstleister für alle. Unter dem Slogan "Alles wird digital, WIR IT machen’s möglich" möchte sich die zentrale IT mit ihren Services zudem als erste Wahl für die Nutzer etablieren.

In der aktuellen Strategie der Corporate IT sind fünf Arbeitsschwerpunkte enthalten: Bei den ersten vier handelt es sich um die IT-Mittel und Prozesse rund um den Arbeitsplatz, Effizienzsteigerungen in der gesamten Prozesskette, die Bereitstellung der Services im Selfservice-Modus und die Abrundung durch einen persönlichen Kundensupport. Der fünfte Schwerpunkt, die Digitalisierung der Lehre, ist zugleich auch derjenige mit dem stärksten Bezug zur "Hochschullehre 2025".

Wie verändert sich dadurch die Rolle der zentralen Informatikdienste bei der Identitätsverwaltung an Ihrer Hochschule?

Alexandre Gachet: Die Identitätsverwaltung ist unabdingbar, um verschiedene Ziele des Programms Campus Management zu erreichen: eine optimierte Systemverbindung, ein effizienterer Ressourceneinsatz, vereinfachte Prozesse, personalisierte Informationen für die jeweiligen Beteiligten und eine höhere Benutzerzufriedenheit. Sie dient als "Enabler" der Digitalstrategie der Universität, die an der Weiterentwicklung des institutionellen Profils der IT-Direktion (ITD) beteiligt ist. Innerhalb weniger Jahre hat sich die ITD von einer operativen Instanz zur Nutzung der IT-Infrastruktur zu einem strategischen Partner entwickelt, der die Weiterentwicklung und Modernisierung des Kerngeschäfts der Universität mitgestaltet.

Dominik Hof: Das Identitätsmanagement der FHNW ist seit ihrer Etablierung als Fachhochschule durch stark zentral gesteuerte Prozesse gekennzeichnet. Mit der SWITCH edu-ID verspricht sich die FHNW einerseits Prozessvereinfachungen, andererseits aber auch eine verbesserte Unterstützung der "lebenslang Lernenden" durch Nutzerzentrierung und durch Entkoppelung der Identität von zeitlich limitierten Rollen an den Hochschulen.

Welche Rolle spielt die SWITCH edu-ID in diesem Bereich?

Alexandre Gachet: Die Identitätsverwaltung stellt ein wichtiges Element des Programms Campus Management dar, und die SWITCH edu-ID dient ihr als Umsetzungstool, insbesondere, um Dienste zu nutzen, die über den institutionellen Radius der Universität hinausgehen. Die auf die Nutzer der SWITCH edu-ID ausgerichtete Vision ist perfekt auf die digitale und personalisierte Erfahrung abgestimmt, die die Universität ihren Studierenden, Forschenden und Mitarbeitenden bieten möchte. Die SWITCH edu-ID ist ein zentrales Element des Ökosystem-Ansatzes.

Dominik Hof: In Bezug auf künftige Investitionen sieht die FHNW Vorteile, wenn weitere Anwendungsfälle auf Ebene der SWITCH edu-ID integriert werden und die FHNW ohne eigene Anstrengungen davon profitieren kann. Als Fachhochschule mit integrierter Pädagogischer Hochschule ist die Einbindung der sich im Aufbau befindlichen Föderation der Schulen (Projekt FIDES der EDK) wichtig. Die Einbindung der SwissID kann für sektorübergreifende Anwendungsfälle bedeutsam werden.

Wie sieht der Zeitplan für die Erneuerung des Identitätsmanagements und die Einführung der SWITCH edu-ID an Ihrer Hochschule aus?

Alexandre Gachet: Das neue Campus-Management-System ist für die Studierenden und Mitarbeitenden der Einrichtung bereits Realität, sowohl was die administrative als auch die akademische Arbeit und die Aktivitäten der Fakultäten betrifft. Die Einführung der SWITCH edu-ID läuft und wird spätestens zu Beginn des Frühlingssemesters 2020 abgeschlossen.

Dominik Hof: Die Planung für die Adoption der SWITCH edu-ID wurde im Rahmen eines Projektes gemeinsam mit SWITCH erarbeitet. Dabei konnten auch bereits erste Anwendungsfälle umgesetzt werden. Heute schon wird der Einschreibeprozess Studierender mit der SWITCH edu-ID unterstützt, wie auch der gesicherte Zugriff auf Bibliotheksressourcen für Berechtigte ausserhalb der FHNW. Die Umsetzung für Bestandeskunden startet Mitte 2019 mit einem vorgesehenen Abschluss per Ende 2019.

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Dr. Alexandre Gachet

IT-Direktor
Universität Fribourg

 

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Dominik Hof

Leiter Corporate IT
Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW)

SWITCH edu-ID

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