Was zählt, ist die rechtliche Expertise

SWITCH führte im Herbst dieses Jahres eine Online-Umfrage an den Schweizer Hochschulen zum Thema Cloud-Anwendungen durch. Die Resultate bestätigen die Vermutung, dass rechtliche Fragestellungen im Vergleich zu technischen im Vordergrund stehen.

Text: Immo Noack, publiziert am 29.11.2018

Ende der Neunzigerjahre kam das erste kommerzielle Cloud-Angebot von Salesforce auf den Markt. 2006 folgten Cloud-Dienstleistungen von Google und Amazon, 2010 lancierte Microsoft "Azure". Seither vervielfachten sich die Anwendungsmöglichkeiten und die Anzahl Anbieter wächst stetig. Auch SWITCH bietet mit SWITCHengines ein auf die Hochschulwelt zugeschnittenes Community Cloud-Angebot. Zudem ergänzen die durch SWITCH ausgehandelte Rahmenabkommen mit kommerziellen Cloud-Anbietern die Palette für die Hochschulen.

Mit einer webbasierten Umfrage im Herbst dieses Jahres wollte SWITCH herausfinden, was die in der IT tätigen Personen in den Hochschulen angesichts der rasanten Entwicklung im Cloud-Bereich bewegt. Es beteiligten sich rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 32 Schweizer Hochschulen. Die Befragung ist zwar nicht repräsentativ, liefert aber dennoch aufschlussreiche, indikative Angaben.

Hohe Anforderungen an Cloud-Dienstleistungen

38 Prozent der Hochschulen haben Vorschriften bezüglich Datenhaltung erlassen. Geheime oder vertrauliche Daten müssen in der eigenen Institution oder zumindest in der Schweiz gespeichert werden. Bei 42 Prozent der Hochschulen sind entsprechende Regelungen in Vorbereitung. Bei den restlichen 20 Prozent waren entsprechende Anforderungen entweder nicht bekannt oder nicht vorhanden.

Erschwerend ist, dass sich die Datenschutzbestimmungen in der Schweiz von Kanton zu Kanton unterscheiden können. Für grosse, weltweit agierende kommerzielle Anbieter sind individuelle, hochschulspezifische Lösungen gerade im Cloud-Bereich heute nicht mehr möglich. Hier sind durch SWITCH ausgehandelte schweizweit gültig Rahmenverträge für die Hochschulen von grossem Nutzen.

Die Frage nach den fünf wichtigsten Problemfeldern bei der Cloud-Nutzung, ergab folgendes Bild:

  1. Die Schweizerische Rechtsprechung ist nicht garantiert
  2. Zugriff auf die Daten durch ausländischen Behörden (Cloud Act)
  3. Zugangskontrollen und Identitätsmanagement entspricht nicht unseren Anforderungen
  4. Der Datenstandort entspricht nicht unseren Anforderungen
  5. Keine Daten-Souveränität, also keine Kontrolle was mit den Daten passiert nach Ablauf des Vertrags.

Aus diesem Grund hat sich die Stiftung entschieden, ab 2019 die Dienstleistung SWITCH Legal Consulting ins Leben zu rufen.

Grosses Bedürfnis nach professioneller Beratung

Die Befragungsteilnehmer wünschen sich vor allem mehr Beratung in rechtlichen Themengebieten, nämlich:

  • Schweizerische und kantonale Datenschutz-Regulation
  • US-amerikanischer CLOUD-Act
  • Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)
  • Cloud-Consulting von einer neutralen Stelle
  • Security

Diese Resultate unterstrichen die Ergebnisse, die SWITCH schon seit Jahren als Feedback im Austausch mit der Community erhält. Aus diesem Grund hat sich die Stiftung entschieden, ab 2019 die Dienstleistung SWITCH Legal Consulting ins Leben zu rufen.

SWITCH ist prädestiniert, um als neutrale Stelle Empfehlungen abzugeben. Ausserdem kennen sich die Expertinnen und Experten im technischen und rechtlichen Bereich der Cloud-Welt aus und sind auch international bestens vernetzt, indem einige SWITCH Mitarbeitende sich in Arbeitsgruppen zum Thema engagieren wie zum Beispiel kürzlich an der Grossveranstaltung Educause 2018 in Denver oder dem Cloud Forum an der Cornell Universität in Ithaca.

Über den Autor
Immo   Noack

Immo Noack

Seit November 2012 leitet Immo Noack das Procurement-Team von SWITCH. Davor war er unter anderem an der ETH Zürich und beim Projekt Neptun tätig. Ursprünglich hat er Elektroingenieur studiert.

E-Mail
Weitere Beiträge