Trendradar für digitale Identitäten

Im Herbst stimmen wir über ein neues E-ID Gesetz ab. Brauchen wir künftig noch weitere digitale Identitäten? Oder dürfen wir uns auf eine passwortfreie Zeit freuen? So bauen wir die Zukunft in die SWITCH edu-ID ein.

Text: Christoph Graf, publiziert am 19.05.2020

Hellsehen können wir nicht und magische Kristallkugeln haben wir auch nicht. Für unseren Blick in die Zukunft kommen wir bei SWITCH ganz ohne Magie aus und setzen stattdessen auf das, was uns zur Verfügung steht: unser gebündeltes Know-how. Damit betreiben wir unseren «Trendradar». Wie das geht?

Trends erkennen

In unserer Arbeit werden wir tagtäglich mit vielen Aspekten digitaler Identitäten konfrontiert. Wir erkennen Trends und erfahren von neuen Projekten, Technologien oder Aktivitäten – oftmals als Resultat von Konferenzen oder Gesprächen mit Personen aus unserer Community, oftmals zufällig. Was davon nicht schnell genug Relevanz für den persönlichen Alltag entwickeln kann, droht schnell wieder vergessen zu gehen. Deshalb sammeln wir diese potenziell wertvollen Hinweise in unserem Trendradar oder führen die Informationen in bereits vorhandenen Einträgen nach.

Trends bewerten

Periodisch durchforsten wir diese Einträge und bewerten sie auf Relevanz für SWITCH und Entwicklungsgrad. In einem internen Crowdsourcing greifen wir dabei auf das gesamte Know-how der thematisch Involvierten zu und erhalten eine konsolidierte Momentaufnahme. Kontrovers eingeschätzte Themen werden vorgängig diskutiert und neu beurteilt, Themen mit geringer Relevanz verworfen und solche mit mittlerer Relevanz für die nächste periodische Prüfung aufgehoben. Für die Themen mit besonders hoher Relevanz schlagen wir Massnahmen vor.

Der Trendradar beantwortet uns nicht, was sein wird. Aber er schärft unseren Blick für die Themen, die unsere Aufmerksamkeit verdienen. Und welche Themen waren dabei?

Trends nutzen

Trends technischer Natur, wie z.B. Protokollerweiterungen, fanden Berücksichtigung in der Roadmap der SWITCH edu-ID. Die zukunftsgerichtete Weiterentwicklung des Dienstes steht hier im Vordergrund.

Bei Trends im politisch-regulatorischen Umfeld hat sich SWITCH vielfältig in die Entstehung des E-ID-Gesetzes eingebracht: via Vernehmlassung, Präsentation in der Rechtskommission des Nationalrats und seither mit der Mitarbeit in einer Begleitgruppe des Bundesamtes für Justiz (Link auf Materialien per Identity-Blog angezeigt). Das Zwischenfazit: Wir erkennen wesentlichen Nutzen in der Verfügbarkeit staatlich geprüfter Nutzerdaten, sehen jedoch wenig Nutzen in einem damit verknüpften universellen Login.

In Bezug auf beobachtete Identitätsdienste anderer Organisationen lassen sich in zwei Fällen klare Aussagen formulieren: Die Cloud-Angebote von Microsoft sind sehr bedeutsam für die Hochschulwelt, wir sehen wesentlichen Mehrwert in der Verknüpfung mit der SWITCH edu-ID. Und für Edulog, die im Aufbau befindende Identitätslösung der Volksschulen, steht für SWITCH die Interoperabilität mit SWITCH edu-ID im Vordergrund. Deshalb steht SWITCH in regem Kontakt mit educa.ch, dem Betreiber von Edulog.

Blick in die Zukunft

Neue Protokolle und Produkte rücken die passwortfreie Zukunft näher in die Gegenwart und werden es Nutzenden erlauben, ihre elektronischen Identitäten stärker zu konsolidieren und selbst-souverän zu verwalten. Bei beiden Themen sehen wir die SWITCH edu-ID als wichtigen Enabler. Mehr dazu wie immer auf unserem Identity-Blog.

Über den Autor
Christoph   Graf

Christoph Graf

1986 schloss Christoph Graf an der ETH Zürich als diplomierter Elektroingenieur ab. 1991 begann er bei SWITCH. Nach einem Wechsel zu DANTE in Cambridge stiess er 1998 erneut zu SWITCH. Heute ist er Program Leader SWITCH edu-ID.

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